Beschleunigte Erwärmung trotz langsamerem Anstieg der Oberflächentemperatur

Die letzten zehn Jahre hat sich der Anstieg der Oberflächentemperatur – das übliche Mass für die Klimaerwärmung – verlangsamt. Dies führt zu Diskussionen über den Stand der Klimaforschung, z.B. im neuesten Economist. “A sensitive matter” titelt der Economist und wirft die Frage auf, ob dieser Temperaturverlauf der letzten 10 Jahre ein Hinweis auf eine niedrigere Klimasensitivität sein könnte, niedriger als die 3 Grad für verdoppeltes CO2, die als wahrscheinlichster Wert von der Wissenschaft angenommen werden, mit einem Toleranzbereich von etwa 2 bis 4,5 Grad.

Das wäre allerdings eine voreilige Schlussfolgerung. Denn die Klimamodelle zeigen ebenfalls einen ungleichmässigen Temperaturanstieg auf, mit Dekaden mit einer stagnierenden oder sogar abnehmenden Oberflächentemperatur. Die jetzige Verlangsamung ist also im Einklang mit den Modellrechnungen. Nur der Zeitpunkt, wann eine solche Verlangsamung auftritt kann wegen des chaotischen Charakters der Klimaströmugen nicht vorhergesagt werden. Eine Übersicht dazu und interessante Diskussionen finden sich in einem Beitrag von Knutti im ETH Klimablog. Aus diesem Beitrag ist auch das folgende Bild. Die gelb markierte Kurve zeigt ein Beispiel aus einem Ensemble von Modellrechnungen, das von 2000 bis 2020 praktisch keinen Anstieg der Temperatur. Die schwarze Kurve zeigt die gemessenen Temperaturen mit dem verlangsamten Anstieg der letzten 15 Jahre. Die Kurve liegt am unteren Rand des Ensembles  -  dies war der Ausgangspunkt des erwähnten Artikels.

Was ist der Grund für diese Stagnations- oder Hiatus-Phasen? Da die Modellrechnungen alle physikalischen Grössen der Atmosphäre, der Landmassen und der Ozeane enthalten, können damit die verantwortlichen Mechanismen identifiziert werden.  Gerald A. Meehl, Julie M. Arblaster, John T. Fasullo, Aixue Hu and Kevin E. Trenberth haben für ein Ensemble von Modellrechnungen diese Zusammenhänge ausgewertet.  Für zwei solcher Hiatus-Perioden haben sie zunächst überprüft, ob die Energiebilanz auch in diesen Phasen einen Erwärmungsüberschuss liefert, wie er sich am Rand der Atmosphäre (top of atmosphere TOA) zeigt. Im folgenden Bild links ist die TOA Energiebilanz gezeigt, in rot für die Hiatus-Phasen und grün für die übrigen. Der Unterschied ist marginal.  Auch in den Hiatus-Periodenb wird also die Erde weiterhin aufgeheizt. Da die Oberflächentemperatur nicht ansteigt, kann die Wärme nur im Meer gespeichert werden. Die ARGO-Messungen zeigen allerdings für die oberen 300m  ebenfalls stagnierende Temperaturen. Meehl u.a. haben deshalb untersucht, ob die Überschusswärme in tieferen Meeresschichten eingelagert wird. Tatsächlich zeigen die Modellrechnungen, dass sowohl im Bereich von 300 bis 750 m als auch in noch tieferen Schichten in den Hiatus-Perioden mehr Wärme zugeführt wird als in den übrigen Phasen.

Da die ARGO Messungen nur die oberen 700 m erfassen, darunter also keine Messwerte vorliegen, ist eine experimentelle Bestätigung nicht ohne weiteres möglich. Der verstärkte Anstieg in der Schicht zwischen 200 und 700 m in den letzten Jahren bestätigen jedoch die Erwartung.

Die Lücke für noch tiefere Schichten versucht eine Arbeit von Balmaseda, Trenberth, and Källén (2013) zu füllen, die Arbeit ist in Skeptical Science besprochen. Die Autoren benutzen die Methodik der Reanalyse. Die vorhandenen Messwerte für vergangene Klimaverläufe werden in ein Klimamodell als Randbedingung eingegeben. Das Modell dient dazu, die zu diesen Messungen kompatiblen anderen nicht-gemessenen physikalischen Grössen zu ermitteln. Das folgende Bild zeigt die so ermittelten Verläufe der Energiezunahme in verschiedenen Tiefen. Die violette Kurve für alle Tiefen zusammen zeigt in den letzten Jahren einen sogar beschleunigten Anstieg.

Meehl und Mitautoren zeigen in ihrer Arbeit, dass der Wärmetransport in tiefere Schichten während der Hiatus-Perioden im Atlantik und im Pazifischen  und Indischen Ozean einem Muster entsspricht, das mit dem El Niño/La Niña auf einer kürzeren Zeitskala konsistent ist. Hier gibt es eine schöne Übereinstimmung zur Arbeit von Rahmstorf (hier diskutiert), der gezeigt hat, dass nach Herausrechnen des El Niño/La Niña Einflusses keine Stagnation des Temperaturanstiegs mehr übrigbleibt.

Diese zunehmende Bestätigung des Einflusses tieferer Ozeanschichten ist leider keine Entwarnung für die Klimaentwicklung.  Skeptical Science fasst das Ergebnis aufgrund des obigen Bildes vielmehr so zusammen: “Die Erwärmung hat sich beschleunigt”.

Autor: Klaus Ragaller

jetzt kommentieren? 02. April 2013

Unverminderter Anstieg der CO2 Emissionen. Sind Verschiebungen ein Hinweis auf eine Wende? (Nachtrag vom 5.3. zu China)

Die neuesten Daten zu den CO2 Emissionen werden vorgestellt, die vom Global Carbon Project erfasst werden. Neben den Gesamtemissionen sind vor allem auch die sich rasch verändernden Emissionen verschiedener Länder sowie Verschiebungen infolge Produktionsverlagerungen von Interesse. Auch Daten zur Einlagerung von CO2 in die Ozeane und in Landflächen werden erfasst.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 22. Februar 2013

Der 5. IPCC Assessment Report AR5: Klimaskeptiker bricht Vertraulichkeit

Im Herbst wird der 5. IPCC Assessment Report “Wissenschaftliche Grundlagen” veröffentlicht. Zur Zeit zirkuliert der vertrauliche Entwurf bei einer Vielzahl von Experten und Interessenten für ein abschliessendes Review. Einer der Reviewer hat die Vertraulichkeit gebrochen und den Entwurf ins Internet gestellt – dort kann ihn jedermann lesen. Einzelne Skeptiker-Blogger haben bereits Kommentare abgegeben, zu Stellen, die angeblich ihre Skepsis unterstützen. Die Lektüre zeigt, dass dies meist nicht stimmt. Im Gegenteil: die wesentlichen Aussagen des AR4 werden nicht nur gestützt sondern durch viele Detailarbeiten noch zusätzlich abgesichert.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 18. Dezember 2012

Chaotische Klimaschwankungen überlagern sich der mittleren Klimaerwärmung

Die neuesten Klimamodelle zeigen zunehmend Feinheiten und Details, die sich mit Beobachtungen und Messungen vergleichen lassen. Wie bei der Wetterberechnung zeigen verschiedene Läufe mit denselben Anfangsbedingungen Unterschiede, als Folge des chaotischen Charakters der physikalischen Gesetze. Die Unterschiede sind im globalen Mittel weniger gross, aber im lokalen Klima können sie ganz erheblich sein, statt lokaler Erwärmung kann sogar eine lokale Abkühlung erfolgen. Diese Zusammenhänge wurden für Nordamerika im Detail untersucht.

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Ein brillianter Vortrag über den ansteigenden Meeresspiegel

Jerry Mitrovica, einer der renommiertesten Experten zum Thema Meeresspiegelanstieg erklärt in einem Video-Vortrag den aktuellen Stand der Forschung. Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich beschleunigt, wobei besonders die Vorgänge in der West-Antarktis zu Sorgen Anlass geben.

mehr lesen... bisher 3 Kommentare 12. Oktober 2012

Brilliante Klima-Gesamtschau – eine zwingende Begründung zum raschen Handeln

“Wie ist es möglich, dass sich ein vom Menschen verursachter Klimawandel praktisch ungebremst entfalten kann, trotz wissenschaftlicher Kenntnisse der wahrscheinlichen Konsequenzen” fragen 18 renommierte Autoren verschiedener Disziplinen in einer Publikation, in der sie den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammenfassen.

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Selbst die Kälteeinbrüche sind wärmer: Fortschritte in der “Attributionsforschung”

Fast täglich berichten die Zeitungen über eine extreme Wettersituation irgendwo auf der Erdkugel – meist wird hinzugefügt, dass aus so einem Einzelereignis nicht auf den Klimawandel als Ursache geschlossen werden kann. Mit der Häufung dieser Aussage stellt man sie allerdings indirekt doch wieder in Frage. Tatsächlich hat die Klimaforschung grosse Fortschritte gemacht in der “Attribution” d.h. der Zuordnung solcher Extreme zum Klimawandel.

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Tendenziöse Wahrnehmungen der Klimaprognosen

Wie zuverlässig sind die Aussagen der Klimaforscher? Seit mehr als 100 Jahren wird die Klimasensitivität d.h. der Temperaturanstieg bei einer Verdopplung des CO2 unverändert als wahrscheinlich 3 Grad ermittelt. Allerdings mit einem Unsicherheitsbereich, der trotz grosser Fortschritte der Forschung nicht sehr weiter als 2 bis 4,5 Grad eingegrenzt werden konnte. Dies ist auch vom nächsten IPCC assessment report nicht zu erwarten.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 15. Juli 2012

Grosse zeitverzögerte Wirkungen unserer Emissionen

In der Diskussion um die Wirkungen unserer Treibhausgasemissionen wird meist auf die bis 2100 zu erwartenden Veränderungen wie Temperatur- oder Meeresspiegelanstieg hingewiesen. Wegen der grossen thermischen Trägheit der Ozeane geht jedoch der Anstieg vor allem des Meeresspiegels auch danach noch weiter und zwar selbst bei einer drastischen Reduktion der Emissionen. Bis 2300 ist ein Anstieg bis 3m für das Szenario “Stabilisierung bei 2 Grad” zu erwarten.

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Wetterveränderungen durch die Erwärmung der Arktis

Die Klimaerwärmung führt in der Arktis zu dramatischen Veränderungen. Durch Reanalyse-Verfahren konnte gezeigt werden, dass sich dadurch das Mäandern des Jet-Streams verändert, die Ausbuchtungen nach Süden werden tendenziell grösser und bleiben länger bestehen. Da der Jet-Stream von grossem Einfluss auf das Wetter in unseren Breiten ist, ist mit längeren Perioden von kälterem oder wärmerem Wetter zu rechnen. Kälteperioden der letzten zwei Winter und Hitzeperioden wie z.B. in Russland können also häufiger erwartet werden.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 21. April 2012

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