CO2 Emissionen kompensieren oder nicht, im In- oder im Ausland?
07.März 2007
Hitzig wird das pro und contra im Zusammenhang mit dem Bau von Gaskraftwerken diskutiert. Die meisten Argumente machen etwas ratlos, da sie nicht den Sinn einer solchen Massnahme betreffen, sondern taktische Fragen wie: keine Kompensation um den Weg für Atomkraftwerke zu beschleunigen oder keine volle Kompensation im Inland, um die Werke in der Schweiz wirtschaftlich betreiben zu können.
Orientierungshilfe bietet eine im November 2007 von McKinsey veröffentlichte Studie von P-A. Enkvist, T. Naucier und J. Rosander: “A cost curve for greenhouse gas reduction”. 1
Die Autoren gehen von der vom IPCC geforderten Begrenzung des CO2 Gehalts in der Atmosphäre auf 450 ppm aus. Dies erfordert eine Reduktion der CO2 Emissionen gegenüber dem extrapolierten Trend um 26 Gigatonnen pro Jahr.
Alle bekannten Methoden und Technologien, die zu diesem Ziel beitragen können werden dann nach den Kosten geordnet, zuerst kommen alle Einsparungen, die negative Kosten haben, wie z.B. Gebäudeisolation und sparsamere Autos. Dann die Massnahmen, die relativ kostengünstig sind wie z.B. Windenergie und zuletzt die kostenintensiveren Methoden wie z.B. Kohlevergasung.
Dann werden die von diesen einzelnen Massnahmen möglichen Beiträge zu dem Reduktionsziel geschätzt. Dadurch wird erkennbar, welche Massnahme wie wichtig für die Zielerreichung ist. In folgendem Diagramm sind diese Zusammenhänge grafisch dargestellt.
Auch wenn man die Zahlen im Detail sicher diskutieren kann, so sind doch einige Schlussfolgerungen aus dieser Gesamtschau für die Beurteilung sehr nützlich. Die wichtigsten aus meiner Sicht sind:
1. Das Reduktionsziel ist möglich und es ist mit finanziellem Aufwand von 1,4 % des Welt Bruttosozialprodukts erreichbar, der keineswegs unerschwinglich wäre. Die Autoren vergleichen es mit den weltweiten Aufwendungen für Nicht-Leben- Versicherungen. Die CO2 Bekämpfung kostet weniger als die Hälfte dieses Betrags. Der von der britischen Regierung bestellte Stern-Report 2 schätzt die Kosten übrigens auf ziemlich genau dieselbe Grössenordnung, nämlich 1% des Bruttosozialprodukts, die Schadenskosten ohne CO2 Reduktion jedoch auf 5%.
2. Um das Ziel möglichst kostengünstig zu erreichen sind sehr viele Massnahmen nötig, der Gesamtbetrag setzt sich aus unzähligen kleinen Beiträgen zusammen. Dies zeigt die Unsinnigkeit der oft gehörten Argumente: ich, mein Land oder diese Technologie trägt nur einen kleinen Bruchteil bei.
3. Viele wichtige Beiträge liegen in Entwicklungsländern, nämlich vor allem die Aufholzung und die Verhinderung von Abholzung. Aus der Sicht einzelner Länder liegen die meisten kostengünstigen Massnahmen ausserhalb ihres eigenen Landes. Deshalb sind Mechanismen zur Kompensation wie globale CO2 Emissionszertifikate so wichtig.
4. Die Stromerzeugung muss bzw. kann nach dieser Aufstellung 9,7 von den 26 Gigatonnen CO2 beitragen. Fast die Hälfte davon nämlich 3,7 Gt kann durch Energieeinsparungen erreicht werden. Von der Atomenergie wird ein Beitrag von lediglich 1,1 Gt erwartet.
Es wird sich lohnen, diese Zusammenhänge in die Diskussion des besten Weges zur dringend nötigen CO2 Reduktion einzubringen.
Literatur:
1 Mc Kinsey Quarterly November 2006
2 Stern-Report: The economics of climate change
Autor: Klaus Ragaller
Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 1 Kommentar Eigenen Kommentar schreiben
1. Markus Alder | 30.Dezember 2008 at 09:00
Eine Reduktion der Treibhausgase macht nur bei einer weltweiten Zusammenarbeit Sinn. Kohlendioxid als wichtigstes Treibhausgaus lässt sich weltweit am kostengünstigsten in der Elektrizitätswirtschaft reduzieren, indem Kohlekraftwerke durch Kernkraftwerke ersetzt werden. Leider geschieht in Deutschland das Gegenteil. So gesehen ist es positiv, dass Deutschlands wirtschaftliches Gewicht abnimmt. Die Wachstumsländer China und Indien setzen stark auf die Kernenergie, müssen aber wegen der enormen Stromverbrauchszunahme immer noch neue Kohlekraftwerke bauen, da Kernkraftwerke in der geforderten Anzahl momentan zu teuer sind. Auch Russland, England und die USA setzen verstärkt auf neue Kernkraftwerke.
Daneben dürfen aber auch Methan und Lachgas nicht vergessen werden. Hier ist eine Reduktion allerdings schwieriger, weil die Landwirtschaft Hauptquelle ist und Nahrungsmittel immer noch knapp und für Menschen in ärmeren Ländern bereits heute teuer sind.
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