Solarstrom – teures Alibi oder Zukunftshoffnung?

30.Juni 2008

Ein Artikel in McKinsey Quarterly mit dem Titel: “The economics of solar power” war der Auslöser für diesen Beitrag. Schon das erste diagonale Durchlesen war spannend, die erfahrenen und wirtschaftsnahen Mc Kinsey Spezialisten analysieren die bisherige Entwicklung der Fotovoltaik und leiten daraus Prognosen für die weitere Entwicklung ab. Die Einführung neuer Technologien verläuft immer wieder erstaunlich ähnlich – fast gesetzmässig. Sobald die allererste unsichere Test-Phase überwunden ist, kann der weitere Verlauf meist recht gut abgeschätzt werden.

Fürs genauere Studium war dann der Beitrag sozusagen über Nacht bei McKinsey nicht mehr verfügbar. Nachtrag am 7.7.2008 ist der Artikel wieder online: The economics of solar power. (Über die Gründe kann man nur spekulieren, wir kommen darauf weiter unten zurück. Zum Glück genügte das kurze Auftauchen des Artikels um im Internet an verschiedenen Stellen so z.B. bei Yale Global Online Spuren zu hinterlassen. Mit dieser Hilfe sollen die wesentlichen Erkenntnisse im folgenden rekonstruiert werden.)

Hier also die wichtigsten Aussagen des Berichts:  Eine neue Ära für Solarstrom ist im Anzug. Lange wurde er als unwirtschaftlich verworfen, jetzt gewinnt er Boden einerseits durch Fortschritte der Technologie andererseits durch die steigenden Kosten der traditionellen Energiequellen. Innerhalb von 3 bis 7 Jahren könnte unsubventionierter Solarstrom in vielen Märkten wie Kalifornien und Italien für die Endkunden nicht mehr kosten als Strom, der mit fossilen Kraftwerken erzeugt wird. Diese Zusammenhänge wurden für die wichtigsten Länder quantifiziert und in folgendem Bild zusammengefasst. Die massgeblichen Parameter sind die Strompreise für die Endverbraucher (da die Fotozellen dort installiert werden, ist dieser Preis massgeblich, nicht die Herstellkosten der Erzeuger – das ist mit “grid parity” gemeint). Für eine Reihe grosser und wichtiger Länder (Grösse des gelben Kreises) wird bis 2020 der Solarstrom konkurrenzfähig sein. China jedoch ist davon noch weit entfernt, der Grund liegt in den sehr niedrigen Gestehungskosten des Stroms in den dortigen Kohlekraftwerken.

mckinsey_solar_competitiveness.jpg

Diese prognostizierte Wirtschaftlichkeit wird zu einem Boom für diese Technik führen.  Bis 2020 – so schätzen die Autoren der McKinsey Studie – könnte die installierte Kapazität auf das 20 bis 40 fache von heute ansteigen.

Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wie sich die verschiedenen Beteiligten optimal auf diesen recht fundamentalen Technologiewandel einstellen sollen.

Hierzu sagen die Autoren: Wenn die Elektrizitätsunternehmen mit langfristigen Investitionen in die neue Technologie zuwarten bis sich der Nebel gelichtet hat, riskieren sie, Kunden an die Solarzellenfirmen hzu verlieren. Wie immer im Versorgungssektor wird es entscheidend sein, clevere Regulierungs-Strategien anzuwenden. Regierungsmassnahmen werden die Entwicklung dieses Sektors ebenfalls massiv beeinflussen. Ein “Kick-Start” durch staatliche Subventionen kann einen lange nachhaltigen Fördereffekt auslösen. Der Entscheid, wann  und wie die Subventionen auslaufen sollen, wird dabei entscheidend sein für die Schaffung einer erfolgreichen, wettbewerbsfähigen Industrie.

Wie so ein Übergang von subventioniertem zu mehr und mehr kommerziellem Regime aussehen könnte, wird in folgendem Bild dargestellt:

mckinsey_solar_installed.jpg

Auch bei diesem optimistischen Verlauf wird der Beitrag des Solarstroms immer noch bescheiden sein, gemessen am Gesamtbedarf (der nicht weiter in Frage gestellt wird). Immerhin 3 bis 6 % könnte er beitragen. Damit wäre der Solarstrom zwar ein wichtiger Beitrag zur CO2 freien Stromversorgung aber eben nur eines von vielen nötigen Elementen im Gesamtpuzzle.

(Warum wurde der Beitrag zurückgezogen? Vermutlich geht den ökonomischen Puristen die von den Autoren analysierte positive Rolle der staatlichen Förderung gegen ihr marktliberales Credo.)

Tröstlich ist, dass mehr und mehr Ökonomen erkennen, dass ein radikaler Technologiewechsel erforderlich ist und die damit verbundene gewaltige Anstrengung eine Offenheit bei der Suche nach dem besten Weg erfordert.

Als weiteres aktuelles Beispiel sei der Sonderbericht des Economist über Energie mit dem Titel “The power and the glory” empfohlen.

Autor: Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 4 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. UNEP-Bericht: Investition&hellip  |  04.Juli 2008 at 20:53

    [...] Despite Financial Market Turmoil EurActiv: Bericht – Erneuerbare Energien haben eine Zukunft Klimablog: Solarstrom – Alibi oder Zukunft? Franz Alt: Stürmisch wachsende Nachfrage bei PKW-Solardächern World Wind Energy [...]

  • 2. Klimablog » Teurer &hellip  |  15.Januar 2009 at 11:24

    [...] McKinsey prognostizieren für Solarstrom weiterhin stark fallende Preise, siehe unseren früheren Beitrag dazu. Severance zeigt, dass im Gegensatz dazu die Kosten von Grosskraftwerken einen starken Anstieg [...]

  • 3. Crack  |  16.Juli 2009 at 01:48

    Tja, das Leben kann so einfach sein, mann muss nur glück haben.

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