CO2 Emissionen – “vollkohle” in die falsche Richtung

06.Oktober 2008

Eigentlich wollte ich einen Kommentar schreiben zu der CO2 Abscheidung und unterirdischen Lagerung (auf englisch carbon capture and storage, CCS). Von Mc Kinsey gibt es dazu eine sehr lesenswerte neue Studie, die aufgrund der umfangreichen bereits geleisteten und noch laufenden Arbeiten für diese Technik  ab 2030 einen breiten Einsatz sieht unter der Annahme von CO2 Kosten von 30 – 48 € pro Tonne.  80 bis 120 CCS Grossprojekte (d.h. Grosskraftwerke) könnten im optimistischen Fall bis dahin in Europa installiert werden. Cluster von Kraftwerken in der Nähe von unterirdischen Lagerstätten, an die sie mit Pipelines angebunden sind, werden als mögliche Lösung vorgeschlagen. Damit würde man eine Reduktion um 0.4 Gt CO2 pro Jahr erreichen. Umgerechnet in Gt Kohlenstoff ist das etwa 0.1 Gt. Weltweit ähnlich aggressiv eingesetzt könnten damit 3.6 Gt CO2 (0.9 Gt C) eingespart werden. In dem Bericht werden die Hürden, die dabei zu überwinden sind gezeigt, die Werte für 2030 erscheinen unter diesem Aspekt sehr optimistisch.

Ein Blick auf die Entwicklung der CO2 Emissionen weltweit – siehe Figur unten aus Climate Progress – zeigt, wie bescheiden dieser Beitrag angesichts der ungebremsten Entwicklung ist. In der Figur sind Gt Kohlenstoff aufgetragen.

co2-gcp1a.jpg

Diese Kurve steigt nicht nur weiter an, die Zuwachsrate nimmt immer noch zu und liegt über den vom IPCC im “business as usual” – Szenario als nicht verantwortbar bezeichneten Werten.

Und dies trotz der enormen Anstrengungen mit erneuerbaren Energien – die eine Erfolgsgeschichte sondergleichen sind. Windenergie ist konkurrenzfähig, im Grossmassstab im Einsatz und wächst exponentiell mit hohen Wachstumsraten. Sonnenenergie folgt auf demselben Erfolgspfad mit ein paar Jahren Verzögerung. Und auch für die Biomasse sehen die Perspektiven ähnlich aus. Trotz Finanzkrise fliessen auch weiterhin enorme Investitionen in diese Technologien.

Ein Hauptgrund für diese besorgniserregende Entwicklung sind die Kohlekraftwerke.

Kohlekraftwerke liefern weltweit 40 %  des Stroms – Prognose steigend! – , in USA über 57 %. Selbst ein Land wie Deutschland, das enorme Gelder in die Förderung erneuerbarer Energie steckt, baut neue Kohlekraftwerke (17 Projekte). In China geht alle 10 Tage ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Warum wird in Hamburg mit 1654 MW eines der grössten Kohlekraftwerke Europas gebaut? Hätte man nicht stattdessen ein Windkraftwerk bauen können?

Mit einer Betriebszeit von 40 Jahren und Kosten im Milliardenbereich werden solche Investitionsentscheide nicht leichtfertig getätigt. Ausserdem gibt es massive Widerstände in der Bevölkerung und von Verbänden in Europa, aber auch in USA gegen neue Kohlekraftwerke.

Warum werden diese Kraftwerke gebaut??

Nur wenn man die Gründe für diese fürs Klima katastrophale Entwicklung versteht, hat man eine Chance, die richtigen Gegenmassnahmen zu ergreifen. Drei wesentliche Gründe sind es:

1. der ständig steigende Strombedarf von uns Verbrauchern.

2. Die niedrigen Kosten von Kohle und die gute auch langfristige Verfügbarkeit

3. Der Bedarf an Grundlast-Strom, der besonders auch als Ergänzung zu Windenergie (und auch zur Sonnenenergie) nötig ist.

Eine Umkehr dieser Fehlentwicklung erfordert deshalb – zusätzlich zur weiterhin aggressiven Entwicklung von Wind, Sonne, Biomasse und CCS  – folgende dringende Massnahmen:

1. Strom muss gespart werden. Die Stromverschwendung muss mit Regulierungen bekämpft werden, aber auch der Preis für Strom muss erhöht werden z.B. mit einer Bonus-Malus-Abgabe.

2. Eine CO2 Abgabe in genügender Höhe muss die Klimakosten der Kohle berücksichtigen. Dies muss vor allem in die langfristige (durch eine steigende Abgabe) Wirtschaftlichkeitsrechnung der Kraftwerkbetreiber eingehen.

3. Wir Stromverbraucher müssen uns mit nicht immer unbegrenzt verfügbarem Strom abfinden. Unser Stromverbrauch muss sich den Erzeugungsschwankungen anpassen. Technisch gibt es dazu viele Möglichkeiten (sog. demand-side management). Z.B. kann der Tarif der Situation angepasst werden und Verbraucher automatisch entsprechend der Tarifhöhe zu- oder abgeschaltet werden.

Diese Massnahmen sind alle nicht neu, werden seit langem diskutiert. Die oben gezeigte Gesamtemissionskurve erfordert ein Umdenken zur Dringlichkeit der Situation. Dies gilt auch für die Schweiz. Über den europäischen Stromverbund sind wir mit unseren Nachbarländern im selben Boot was Strompreise, Verfügbarkeit, Netzgestaltung und weiteren Ausbau betrifft. Romande Energie investiert z.B. in ein Kohlekraftwerk in Deutschland (Brunsbüttel), mit derselben Begründung wie oben ausgeführt. Es nützt nichts über die Stromfirmen zu schimpfen, die Änderung kann nur von uns Verbrauchern kommen.

Autor: Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 9 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Klimaschützer  |  30.Oktober 2008 at 00:31

    Ein Projekt, das von einer Gruppe junger Menschen angestoßen wurde, die gemeinsam zwei Wochen in der Arktis verbracht haben, bekommt im Moment immer mehr internationale Aufmerksamkeit.
    Nachdem die 18 Jugendlichen aus 9 verschiedenen Ländern dort oben am Nordpol sehr einschneidende Erlebnisse machten, haben sie ein geimeinsames Projekt entwickelt, welches unabhängig von jeglichen Organisationen ist.

    Das Green Finger Project.

    Nun sind sie auf der Suche nach vielen Menschen, Gruppierungen und anderen Interessierten, die sich an dem Projekt beteiligen möchten bzw. einfach nur schnell ein GF Foto machen wollen.

    Ich würde mcih freuen, wenn ihr dieses wunderbare Projekt unterstützen würdet! Es ist eine einfache und klare Sache, um Politiker zu überzeugen.

    —> mehr Infos hier: wwfarktistour.wordpress.com

    Dort gibt es unter der Kategorie Arktistour auch Erlebnissbreichte und Fotos aus der Arktis, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!!!

  • 2. Energiesparer  |  02.März 2009 at 22:27

    Ein wirklich sehr guter Beitrag. Die CO2-Abtrennung und Lagerung in unterirdischen Hohlräumen ist zwar ein ein sinnvoller (wenn auch mglw. sehr langfristig nicht vollkommen sicherer) Weg um den weltweiten CO2 Ausstoß zu begrenzen. Die Technik sollte allerdings nur bestehende Kraftwerke sauberer machen aber es sollten keine neuen gebaut werden. Neue Investitionen sollten ausschließlich in Regenerative Energien fließen.

    Bei Punkt 1 + 2 stimme ich auch voll zu. Es gibt noch sehr viel Einsparungspotential bei uns, wenn nur alle ihr Energieverhalten ändern würden (Elektrogeräte bei Nichtgebrauch ausschalten, bei Neukauf nur Energiespargeräte,…). Gleichzeitig ist es richtig, dass die Kosten für die CO2-Emissionen von Kohlekraftwerken den Betreibern auferlegt werden sollten. Dann wäre dieser Strom wahrscheinlich teurer als Ökostrom.

  • 3. Berliner  |  09.März 2009 at 16:25

    53 % der EEG Wissenschafter stellen 2009 die CO2-Emissionen in frage.

    46 % der Politiker stellen 2009 die CO2-Emissionen in frage.

    Die Berechnung der CO2-Emissionen wurde als mangelhaft befunden.

  • 4. Klimablog » China a&hellip  |  07.April 2009 at 14:37

    [...] (Die momentane Welt-Emissionsrate liegt bei etwa 28 Gt CO2 (entspricht 8 Gt C) siehe Blogbeitrag “vollkohle in die falsche Richtung” ) Das Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen wäre damit illusorisch – [...]

  • 5. Klimablog » CO2 Emi&hellip  |  31.Mai 2011 at 08:29

    [...] einem unserer früheren Beiträge haben wir im Oktober 2008 also vor mehr als zwei Jahren auf die steigenden CO2 Emissionen [...]

  • 6. Klimablog » Unvermi&hellip  |  05.März 2013 at 11:09

    [...] Beiträgen auf diese besorgniserregende Entwicklung hingewiesen: im Mai 2011 und im Oktober 2008. In letzterem Beitrag betrugen die Emissionen noch 8.5 PgC, 2012 wird ein Wert von 9.7 PgC [...]

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