Märkte und Klima: irrational oder effizient?

25.November 2008

Dramatische Entwicklungen spielen sich an den Finanz- und Aktienmärkten ab. Über die Ursachen gehen die Meinungen weit auseinander. Am bequemsten ist immer die Annahme “irrationaler” Märkte – es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Zur Lösung werden im Krisen-Ausgangsland USA grosse Investitions-Initiativen in Klima-Projekte angekündigt:

Obama: “investing $150 billion to build an American green energy economy that will create five million new jobs, while freeing our nation from the tyranny of foreign oil, and saving our planet for our children”

Schwarzenegger: “It is more important than ever that we secure our state’s long-term competitiveness-and green technology is the future, we are all going through tough economic times, and this is exactly why I am talking about investing in clean, green technology. It’s one of the best investments out there, and it’s where the innovation and job growth will be.”

Braucht es eine Krise um das dringend nötige Umdenken in Gang zu bringen? Oder ist vielleicht das bisherige Ignorieren der Klimaproblematik eventuell ein Auslöser oder zumindest Verstärker der Krise?

Dafür gibt es einige bedenkenswerte Indizien.  Die zwei Sektoren der Realwirtschaft, die im Zentrum der Krise stehen, der Immobilienmarkt und die Autoindustrie sind auch die beiden Sektoren mit dem grössten Energie-Verschwendungs bzw. Sparpotential. Die Häuser, die sich jetzt keiner mehr leisten will oder kann sind schlecht isoliert, zu gross, weit abgelegen und deshalb auf lange Autofahrten der Besitzer ausgelegt. Die Autos der notleidenden Firmen kann man nicht anders als “irrational” verschwenderisch zu bezeichnen.

Der zu Beginn der Krise rasant ansteigende Ölpreis hat wohl allen klar gemacht, dass diese Entwicklung keine Zukunft haben kann. Märkte nehmen langfristige Entwicklungen oder auch Fehlentwicklungen vorweg. Ein Einbruch bei Häuserpreisen und Autoaktien ist also eigentlich die logische Antwort auf die so nicht fortsetzbare Entwicklung. Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, die Märkte als irrational zu berurteilen. Vielleicht sind sie im Gegenteil auf  erstaunliche Art effizient.

Dem könnte man entgegnen, dass auch die Aktien von Solar- und Windfirmen gefallen sind. Könnte der Grund dafür sein, dass sich viele Entscheidungsträger für eine Reduktion der Umweltstandards in der Krise einsetzen (z.B. Horst Seehofer: “Autojobs sind wichtiger als Klimaschutz”)?

Die Frage ist, welcher der genannten diametral entgegengesetzten Lösungsansätze ist irrational und welcher ist effizient? Davon wird die weitere Entwicklung der Krise und mit zeitlichem Vorlauf der Märkte entscheidend abhängen.

Autor:

Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 1 Kommentar Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. FlorianZ  |  02.Januar 2009 at 22:31

    Man darf in aller erster Linie wohl gespannt sein, ob diese Vollmundigen Ankündigungen auch in die Tat umgesetzt werden bzw. ob sie nicht doch nicht wieder verpuffen.

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