Emissionsrechtehandel oder “cap and trade”: 4 Jahre Erfahrung in 30 EU Ländern – Hoffnung auf die USA und weitere Länder
19.März 2009
Börsenkurse im Dienste des Klimaschutzes: in einem Band zwischen 15 und 30 € bewegt sich der Preis für die Emission einer Tonne CO2 im Europäischen Emissionsrechtehandelssystem siehe Figur:

Wer CO2 ausstossen will (das System deckt die Stromerzeugung und einige Industriebereiche wie Zementherstellung oder die Stahlindustrie ab, die zusammen etwa die Hälfte der Europäischen CO2-Emissionen ausmachen) braucht ein Zertifikat. Dieses kann er an einer Börse kaufen bzw. verkaufen (trade). Über die Gesamtzahl von Zertifikaten kann die Gesamtmenge CO2 begrenzt (cap) werden. Der Vorteil des Systems ist, dass Marktkräfte die günstigsten Einsparmöglichkeiten aufspüren. Ein Emittent, der für 15 € die Emission einer Tonne einsparen kann, macht einen Gewinn, wenn er das eingesparte Zertifikat für 20 € verkauft.
Aktuelle und zukünftige (futures) Kurse können an der European Energy Exchange (London, Leipzig und Wien) abgefragt werden. Seit Juni 2008 sinken die Kurse als Folge der Wirtschaftskrise, die Futures zeigen inzwischen wieder nach oben. Vergleicht man die Preise mit den McKinsey Vermeidungskosten, dann bekommt man eine grobe Vorstellung vom längerfristigen Veränderungspotential dieses CO2 Vermeidungskosten: Bei einem Preis von 25 € pro emittierter Tonne CO2 resultiert ein Einsparungspotential von 18 Gigatonnen. Dies würde den CO2 Anstieg in der Atmosphäre auf 550 ppm begrenzen – nicht genug für das Ziel einer maximalen Temperaturerhöhung von 2 Grad aber ein grosser Schritt in die richtige Richtung – vorausgesetzt die wichtigsten Emittentenländer beteiligen sich an diesem System. Eine ausgezeichnete Zusammenfassung über das EU Emissionsrechtehandelssystem findet sich in Wikipedia.
In den USA läuft im Moment bei den politisch Verantwortlichen und in der Öffentlichkeit – von Obama vorangetrieben – eine intensive Diskussion über die Einführung eines solchen “cap and trade” Systems zur Begrenzung des CO2 Aussstosses. In der März Ausgabe von Business Week ist der Stand der Diskussion zusammengefasst. Im Budgetplan hat Obama die Einkünfte aus dem cap and trade jedenfalls bereits eingeplant.
Die Beteiligung der USA wird ein grosser Schritt sein. Wie es weitergehen könnte, dazu äussert sich der Chef Ökonom des Potsdamer Instituts für Klimaforschung Edenhofer wie folgt:
Natürlich brauchen wir am Ende ein globales System. Auf das Weltklima hat es keinen Einfluss, was Brüssel jetzt macht. Aber die EU muss zeigen, dass der Emissionshandel funktioniert. Wenn das gelingt, werden die USA Mut fassen. Der neue US-Präsident Barack Obama will auch ein Emissionshandelssystem aufbauen. Wenn es gelingen würde, beide Systeme miteinander zu verbinden, hätte das eine große politische Wirkung. Ein transatlantischer Kohlenstoffmarkt wäre ein Leuchtturm für die Klimapolitik und würde spätere Verhandlungen mit China und Indien beflügeln.
Wie lassen sich China und Indien für den Klimaschutz gewinnen?
China könnte zunächst für bestimmte Sektoren wie etwa den Strommarkt Effizienzstandards akzeptieren. Werden die Standards übererfüllt, könnten diese als Emissionsrechte gutgeschrieben und am Markt verkauft werden. So könnte auch Indien schrittweise in ein Abkommen hineinwachsen. Wenn am Ende auch Brasilien, Japan, die USA und Europa als Hauptemittenten beim Emissionshandel mitmachen, haben wir einen großen Teil des Problems angepackt.
Ein globaler Zertifikatehandel mit schrittweiser Einschränkung der Zertifikate kann anschaulich verstanden werden als eine (teilweise) Überführung der fossilen Resourcen von Privateigentum in Gemeineigentum. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Zertifikate sind den Resourcenbesitzern entzogene Gewinne.
Die genannten Themen werden in einem Streitgespräch zwischen Edenhofer und Sinn, dem Autor des Buches “Das grüne Paradoxon” auf sehr spannende Weise diskutiert. Edenhofer erwähnt darin, dass China bereits Interesse an dem Zertifikatehandel signalisiert hat.
Nichts an diesen Perspektiven ist utopisch. Bei all den vielen Skeptikern, Zweiflern, Besserwissern drohen diese Fortschritte und Konkretisierungen in den Hintergrund zu geraten. Es zeigt sich auch wieder einmal, dass ein wohlüberlegtes Vorangehen – wie die Einführung des EU Systems vor 4 Jahren – der einzig richtige Weg ist, Fortschritte zu erzielen.
Autor:
Klaus Ragaller
Artikel gespeichert unter: Klima
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