China am Scheideweg: CO2-Hauptsünder oder grüner Revolutionär?

07.April 2009

Die neue amerikanische Regierung hat den Klimaschutz zu einer Priorität erklärt – der mühsame Weg durch die Gesetzgebungsprozeduren steht zwar noch bevor, aber der Fortschritt ist auf jeden Fall gewaltig. Auf breiter Basis sind private Investoren, Behörden, Städte, Gliedstaaten aktiv – eine typisch amerikanische Unternehmerinititative ist voll in Gang gekommen. Die Bevölkerung sieht überwiegend ein, dass ein drastischer Wandel nötig ist.

Was aber geschieht in China, diese Frage drängt sich jetzt, nachdem die USA endlich handeln, umso mehr in den Vordergrund. China hat weiterhin und selbst in der Krise sehr hohe Wachstumsraten und plant diese für die nächsten Jahrzehnte fortzusetzen. Aufgrund ihres – verglichen mit den Industriestaaten – sehr tiefen Pro-Kopf Ausstosses von CO2  ( China: 5 t CO2 pro Kopf, USA :24, Deutschland: 12) lehnt die Regierung bis jetzt Verpflichtungen zur Begrenzung der CO2 Emissionen ab. Das daraus resultierende “business as usual” Szenario kann man nur als für das Klima verheerend bezeichnen.  Und das obwohl in diesem Szenario die Regierung aggressive Ziele zur Reduktion der Energieintensität, zur Förderung alternativer Energien und zur Erhöhung der “Kohlenstoff-Effizienz” vorgibt. Bis 2030 würden sich dennoch die CO2 Emissionen von heute 7 Gigatonnen CO2 auf 15 Gt erhöhen. (Die momentane Welt-Emissionsrate liegt bei etwa 28 Gt CO2 (entspricht 8 Gt C) siehe Blogbeitrag “vollkohle in die falsche Richtung” ) Das Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen wäre damit illusorisch – unabhängig davon, wie aggressiv andere Länder reduzieren könnten. Für dieses Ziel muss die Welt-Rate bis 2050 um etwa 80 % gesenkt werden also weit unter den Wert, den allein China schon 2030 erreichen würde.

photo_china_green_revolution

Eine neue sehr ausführliche Studie von Mc Kinsey , (leider sind die sehr aussagekräftigen Grafiken kopiergeschützt – also unbedingt den Artikel direkt anklicken!) die zusammen mit chinesischen Experten erarbeitet wurde, zeigt einen Weg auf, der sowohl ökonomisch als auch ökologisch tragbar sein könnte. Statt der 15 Gt  könnte mit den vorgeschlagenen Massnahmen eine Halbierung auf etwa 7,5 Gt CO2 im Jahr 2030 erreicht werden.

Welche Massnahmen sind dazu erforderlich? Die Mc Kinsey-Studie listet 6 Bereiche auf. Die zwei wichtigsten sind:

1. “Grüner Strom”  Die Kohlekraftwerke liefern heute über 80 % des Strombedarfs. Durch massive Förderung der Wind- und Sonnenenergie (je 380 GW) sowie auch der Nuklearenergie (180 GW) soll der Anteil auf 34 % im Jahr 2030 gesenkt werden. China ist heute schon einer der grössten Produzenten von Solarzellen – siehe Reuters Meldung. Diese führende Stellung könnte China weiter ausbauen.

2. “Grüne Autos” Ohne Massnahmen würde China 2025 die USA als Land mit der grössten Autoflotte überholen. Mit einer massiven Förderung der Elektroautos (100 % ab 2020) kann dem Anstieg der CO2 Emissionen begegnet werden. China könnte zu einem Weltmarktführer für Elektroautos aufsteigen.

Die weiteren 4 Bereiche betreffen die Industrie, Gebäude, die Wiederherstellung und Pflege der Kohlenstoffsenken (Wald) und generell eine grüne Siedlungs- und Konsumentenpolitik.

Die Chancen, dass die chinesische Führung solche ehrgeizigen Ziele übernimmt, und in Kopenhagen entsprechende Verpflichtungen abgibt, sind vorläufig wohl eher gering. Wahrscheinlich braucht China mehr Zeit – die Aufgabe, schnelles Wachstum mit CO2 Reduktion zu verbinden, ist in dieser Dimension eine gigantische Herausforderung. Mc Kinsey legen aber auch dar, dass schon eine Verzögerung von wenigen Jahren die Aufgabe noch viel schwieriger machen würde. Häuser die jetzt nicht nach besten Verbrauchsstandards gebaut werden, wären bei dem schnellen Wachstum fast nicht mehr und nur zu sehr hohen Kosten nachrüstbar.

Autor:

Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

Ihr Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld, anonym

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren