Klimakonferenz in Bonn – massiver Handlungsbedarf in den Industrieländern

10.Juni 2009

Im Dezember findet in Kopenhagen die Klimakonferenz statt, die für alle Länder Ziele zur CO2 Verminderung als Nachfolge zum Kyoto-Protokoll festlegen soll. Zur Vorbereitung dieser entscheidenden Weichenstellung finden mehrere Vorbereitungskonferenzen statt: zur Zeit in Bonn, im August nochmals in Bonn, im September in Bangkok und im November in Barcelona. Yvo de Boer, Chef des UN Klimasekretariats leitet diese Konferenzen.

Yvo de Boer ist soeben, noch während der Bonner Konferenz, mit einer deutlichen Warnung an die Öffentlichkeit getreten (NZZ 9.6.2009). Die von den Industrieländern vorgeschlagenen Reduktionsziele reichen nicht aus, um die von der Forschung verlangte Erwärmungsobergrenze von 2 Grad nicht zu überschreiten. Selbst die von der Europäischen Union, die eine Führungsrolle beansprucht, angebotenen 20 % gegenüber 1990 liegen unter dem vom IPCC geforderten Bereich von 25 bis 40 % .  Die USA unternehmen zwar seit Obamas Amtsantritt enorme Anstrengungen um Mehrheiten für eine gegenüber der Bush-Administration radikal veränderte Politik zu gewinnen, durchaus mit beachtlichen Fortschritten. Aber das Reduktionsziel, das sie in Bonn anbieten – 17 % Reduktion gegenüber 2005, entsprechend 4 % gegenüber 1990 – ist bei weitem zu tief. Siehe auch unseren früheren Beitrag zu den Reduktionsalternativen.

Mit diesen viel zu bescheidenen Zielen ist vor allem auch eine konstruktive Mitarbeit der Schwellenländer in Frage gestellt. Die nötige Umstellung des rasanten Wachstums in China und Indien auf weniger CO2-Intensität wird dort als eine Einbusse an Wachstumstempo angesehen, das nur bei einem – entsprechend der historischen Verantwortung für das bereits emittierte CO2 -  überproportionalen Engagement der Industrieländer akzeptiert wird – verständlicherweise.

Obwohl die Aussagen der Klimaforscher mehrheitlich wohl nicht mehr bezweifelt werden, herrscht bei uns immer noch die Vorstellung vor, dass man mit kleinen Schritten schon irgendwie weiterkommt: den Pelz waschen ohne nass zu werden. Wie kann man – können wir – das Bewusstsein für den nötigen massiven Handlungsbedarf fördern? Die soeben durchgeführten Wahlen zum Europaparlament zeigen eine wichtige Richtung. Kurz nach Bekanntgabe des überraschend deutlichen Siegs der Grünen forderte Sarkozy, dass Frankreich ein globaler Marktführer bei erneuerbaren Energien werden soll, die Ausrichtung der Energieversorgung Frankreichs auf Kernenergie bezeichnete er als “kollektiven Irrtum” (NZZ 10.6.2009). Bis 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien auf mindestens 23 % erhöht werden und deren staatliche Förderung solle gleich hoch sein wie die der Nukleartechnik. Vielleicht auch nur ein kleiner Schritt – aber immerhin, wie in den USA eine 180 Grad Politik-Änderung, die immerhin hoffentlich die Voraussetzung für grössere Schritte schafft.

Nachtrag vom 11.6.: Japans Ministerpräsident Taro Aso hat soeben 15%  Reduktion gegenüber 2005 als “ambitiöses Ziel” verkündet, das sind nur 8 % weniger als 1990. Nicht nur Umweltverbände haben dieses Ziel sofort heftig kritisiert, auch der chinesische UmweltbeauftragteYu Qingtai kritisierte das als viel zu tief. 40 %  gegenüber 1990 müssten die Industrieländer beitragen.

Nachtrag vom 12.6.: Die Schweiz ist in Bonn aufgefallen: zusammen mit Neuseeland und Russland hat sie keinerlei Begrenzungsvorschläge gemacht (Climateprogress).

Autor:

Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 1 Kommentar Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Marta  |  22.Juli 2009 at 19:28

    Glaubst du wirklich, dass es bei der Klimakonferrenz irgendwelche Ergebnisse gibt. Vor allem von Seiten der USA. Ich zweifle ehrlich gesagt, dass Obama hier viel besser ist, als sein Vorgänger. USA und Klimaschutz ist irgendwie ein Widerspruch in sich..

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