Konsum von Waren, ein etwas verdecktes aber zentrales Klimaproblem

18.Juni 2009

Die Herstellung, der Transport, die Lagerung von all den Waren aller Art, die wir konsumieren,  erfordert Energie, dabei wird CO2 emittiert – Klima-Folgen unseres Konsums, die im Gegensatz etwa zum pro Kopf-Verbrauch von Energie nicht so ohne weiteres spezifizierbar sind. Es ist nicht so einfach erkennbar, wieviel CO2 von welcher Ware verursacht wurde. Auch die CO2 Bilanzen der Länder weisen die durch die Warenimporte importierten CO2 Emissionen in der Regel nicht aus.

Die NZZ  vom 17.6.2009 berichtet unter dem Titel “Der klimatische Fussabdruck des Konsums” über eine neu erschienene Publikation von Glen Peters und Edgar Hertwich “CO2 Embodied in International Trade with Implications for Global Climate Policy”, in der die CO2 Bilanz der Handelsflüsse zwischen den Nationen untersucht werden. Das folgende Bild zeigt die durch Waren-Exporte und Waren-Importe verursachten CO2 Emissionen verschiedener Länder in Prozent der Gesamtemissionen dieser Länder. Man kann zwei Gruppen von Ländern unterscheiden: die Industrieländer wie USA importieren weit mehr als sie exportieren, in Schwellenländern wie China ist es umgekehrt.

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In den Klimaverhandlungen in Bonn hat denn auch die chinesische Regierung nach SPIEGEL-Informationen die Industrieländer überrascht mit der Forderung, dass die Kohlendioxidemissionen des Landes teilweise den Abnehmerländern seiner Exportgüter zugerechnet werden.”15 bis 20 Prozent der chinesischen Emissionen stammen chinesischen Experten zufolge von Produkten für Auslandsmärkte, besonders für die USA und Europa”, sagt Yu Qingtai, Pekings Sonderbotschafter für die internationalen Klimaverhandlungen. Es sei “unfair”, dass diese CO2-Emissionen allein China zugeordnet würden.

In der Schweiz liegt der pro Kopf Ausstoss von CO2 unter Berücksichtigung der Importe und Exporte bei 18 Tonnen pro Jahr, davon werden nur 36 % im Land emittiert. Diese Zahlen sind immer noch recht abstrakt, solange nicht etwas klarer ist, wieviel CO2 durch den Konsum welcher Ware verursacht wird. Genau dieser wichtigen Frage ist McKay in seinem schon mehrfach zitierten Buch unter dem Titel “stuff” nachgegangen. In GB liegen die  pro Kopf Emissionen bei 11 Tonnen, unter Berücksichtigung der Export/Importbilanz bei 21 Tonnen – vergleichbar mit der Schweiz. In McKays Messgrösse kWh/Person und Tag macht der Konsum von Waren 48 kWh/pd aus, der Transport der Waren nochmals 12 kWh, siehe auch unseren früheren Beitrag dazu. Interessant ist es natürlich, was die grössten Beiträge sind. Mit Abstand der grösste Einzelbeitrag ist der Kauf eines Autos. In einem Auto stecken 76 000 kWh Energie (und entsprechende Emissionen), bei einem Kauf alle 15 Jahre ergibt das einen Beitrag von 14 kWh pro Person und Tag. Pro Kopf werden nach der Schätzung von McKay 4 kg Waren mit einem vergleichbar hohen Herstellenergie-Anteil importiert. Der Rest sind viele kleine  Einzelbeiträge z.B. 2 kWh für Zeitungen, 2 für den Strassenbau, 1 für den Bau von Häusern, 3 für Verpackungen.

Eine schöne Zusammenfassung der Problematik findet sich in dem erwähnten NZZ Artikel von Christian Speicher: “Der klimatische Fussabdruck der Länder korreliert mit dem Wohlstand. Bei jeder Verdoppelung der Pro-Kopf-Konsumausgaben erhöhen sich die Pro-Kopf-Treibhausgasemissionen um 57 Prozent. Auch bei den höchsten Ausgaben gibt es keine Anzeichen für eine Abflachung dieses Trends. Was sich mit wachsendem Wohlstand hingegen verändert ist die Zusammensetzung des klimatischen Fussabdrucks. Während in den armen Ländern die Nahrung dominiert, gehen die Emissionen in den reichen Ländern auf das Konto von Transport, Konsumgütern und Gebäuden.” Dem wäre noch hinzuzufügen: und in die zunehmende Verlagerung der Emissionen in ärmere Länder.

Autor:

Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 3 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Klimablog » ÖV &hellip  |  04.September 2009 at 18:05

    [...] durch das Fahren kommt noch der Energieverbrauch für die Herstellung des Autos. Wie in unserem früheren Beitrag erwähnt ist das im Mittel ein Wert von 14 kWh pro Person und Tag, fürs Fahren selber sind [...]

  • 2. Klimablog » Wir nen&hellip  |  22.September 2009 at 12:26

    [...] 2,5 t pro Person und Jahr – bei uns sind es etwa 18 t pro Person und Jahr (siehe unseren früheren Beitrag dazu)  – ziemlich klar, was in Kopenhagen entschieden werden [...]

  • 3. Martin Holzherr  |  19.Juni 2011 at 18:06

    In der öffentlichen Diskussion ist die hier vorgestellte Problematik der Auslagerung des Energieverbrauchs und der Auslagerung des CO2-Ausstosses von entwickelten in weniger entwickelte Länder noch kaum angekommen. Fragen sie jemanden auf der Strasse oder auch jemandem aus dem BFE oder BAFU, wieviel Energie/Leistung der Schweizer im Durchschnitt verbrauche, so wird er antworten: “So um die 5000 Watt”. Dabei sind es – importierte Güter eingerechnet – 8000 Watt. Für den CO2-Ausstoss gelten – wie in obigen Artikel erwähnt – ähnliche Verhältnisse.

    Auch das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft berücksichtigt die graue Energie nicht. Für die Stadt Zürich und ihr 2000-Watt Ziel liest man dazu:Es gilt das Territorialprinzip. Sie beziehen sich auf die Energie, die auf Stadtgebiet
    verbraucht, respektive auf Emissionen, die hier ausgestossen werden. Die graue Energie respektive die grauen Emissionen der Energieträger werden mitgezählt. Die graue Energie von weiteren Gütern und Dienstleistungen ist nicht in den 2000 Watt enthalten, soll aber nach Möglichkeit separat berechnet und ausgewiesen werden.
    .

    Damit werden aber Fehlanreize gesetzt: Man kommt der 2000-Watt-Gesellschaft näher, wenn man energieintensive Betriebe auslagert oder durch hohe Stromkosten vertreibt, auch wenn man dafür mehr Güter aus dem Ausland – womöglich mit mehr Energie erzeugt als in CH – konsumiert.

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