Klimawissenschaft: immer präziser, Skeptiker: immer desorientierter

26.Februar 2010

Seit Kopenhagen äussern sich die sog. Klimaskeptiker mit zunehmender Intensität in allen Medien. Einschlägige Internetforen präsentieren in scheinbar wissenschaftlichem Jargon die Zweifel, die immer wieder zitiert und verlinkt in Blogs, Leserbriefen usw. zitiert werden. Keines der endlos wiederholten Pseudoargumente hält der wissenschaftlichen Überprüfung stand. Die sog. Zweifler interessieren sich auch nicht auf die von den Wissenschaftlern mit grosser Sorgfalt vorgetragenen Gegenbeweise. Den Gipfel dieser Desinformationskampagne kann man in den USA beobachten. Senator Inhofe liess vor dem Kongress einen Iglu aufstellen mit der Aufschrift “Al Gores Neues Haus” – die starken Schneefälle in Washington sollten seine Behauptung der Klimawandel sei “der grösste Schwindel” belegen. Man sollte sich aber nicht täuschen, die weniger plumpen Argumente der sog. Skeptiker sind auch nicht besser fundiert.

Was kann man gegen diese unverantwortliche Kampagne unternehmen? Warum wehren sich nicht mehr Menschen, die es besser wissen müssten, dagegen? Was sind die Motive der Akteure? Angesichts dieser Fragen könnte sich Ratlosigkeit einstellen. Es bleibt wohl nur das zähe und sorgfältige Wiederholen und Schärfen des Blicks auf die grossen Zusammenhänge und die Grundtatsachen: Anstieg des CO2 durch Verbrennung fossiler Brennstoffe und der dadurch verursachte Anstieg der Temperatur mit einer wahrscheinlichen Sensitivität von 3 Grad bei einer Verdoppelung des CO2.

Diesem Anliegen widmen sich die folgenden zwei Publikationen in besonders empfehlenswerter Weise:

1. Soeben neu erschienen ist “The Climate Crisis” von David Archer und Stefan Rahmstorf. Beides sind prominente Klimaforscher, beide sind auch seit längerem sehr aktiv in der Vermittlung der Wissenschaft an die breite Öffentlichkeit durch Publikation von Büchern und durch ihre Beiträge in RealClimate, Stefan Rahmstorf auch in seinem Blog Klima Lounge. Dieses Buch ist eine umfassende Darstellung aller Aspekte der Klimaproblematik mit einer aktuellen Darstellung des Standes der Wissenschaft, auch der noch nicht gut verstandenen Aspekte.

2. Direkt auf einen Dialog mit den Skeptikern zugeschnitten ist der Skeptical Science Blog der Autor ist ein Physiker, der die diversen Argumente der Skeptiker mit sehr verständlichen Ausführungen auf der Basis von wissenschaftlichen Originalarbeiten beantwortet. Die Beiträge dieses Blogs sind sehr lesenswert, diese Art qualifizierte Argumentation mit den sog. Skeptikern ist oft lehrreicher als manches Lehrbuch (immerhin dies kann man den Skeptikern zugestehen). Die einzelnen Beiträge sind auch nach den Argumenten der Skeptiker organisiert, auch dies erleichtert es die relevanten wissenschaftlichen Arbeiten zu bestimmten Themen schnell zu finden.

Ein aktueller Beitrag in diesem Blog mit dem Titel: “Senator Inhofe’s attempt to distract us from the scientific realities of global warming” fasst in 5 kurzen Abschnitten die wichtigsten Fakten des Klimawandels zusammen und summiert für jedes Faktum neuere wissenschaftliche Belege mit Links zu den Originalarbeiten:

1. Der Anstieg des CO2, und die Belege dafür durch hunderte von Messstationen und  Satellitenmessungen.

2. Der Beweis, dass der Anstieg durch Verbrennung fossiler Brennstoffe verursacht wird in  Form von Isotopenmessungen und durch den Nachweis einer entsprechenden Sauerstoffabnahme.

3. Direkter Nachweis des Treibhauseffekts durch Satellitenmessungen der Wärmeabstrahlung der Erde und der von der Atmosphäre rückgestrahlten Wärme auf die Oberfläche.

4. Zunahme des Wärmeinhalts der Erdoberfläche und deren Nachweis durch Eisschmelzen, Anstieg der Meerestemperatur und des Meeresspiegels.

5. Neueste Arbeiten über einen beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels und weitere gravierende Folgen – auch bei Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2 Grad.

Zu dem letzten Punkt wird unter anderem eine Arbeit von Kopp et al. 2009 zitiert. Diese Autoren haben die letzte interglaziale Phase vor 125 000 Jahren genauer untersucht durch Analyse einer Vielzahl von diversen Messungen in verschiedenen Regionen. Die Temperaturen waren an den Polen ungefähr 3 bis 5 Grad höher als heute, was in etwa einer 1 bis 2 Grad höheren globalen Temperatur entspricht. Mit 95 % Wahrscheinlichkeit war der Meeresspiegel mindestens 6 m höher als heute. Die Autoren schliessen mit dem Satz: Die Ergebnisse zeigen die längerfristige Verwundbarkeit der Eisschilde gegenüber einer relativ bescheidenen, anhaltenden Temperaturerhöhung.

Übrigens: trotz der grossen Schneefälle in Washington und des kältesten Januars seit 29 Jahren in der Schweiz: die mittlere globale Temperatur wie sie mit Satelliten gemessen wird, war im Januar – und auch in den Monaten vorher -  am höchsten seit Beginn der Messungen 2003, siehe Bild (aus Climate Progress). Der Satellit NOAA-15 überfliegt fast jeden Punkt der Erde zweimal pro Tag und misst die Temperatur am Boden und in der Atmosphäre in verschiedenen Höhen. Auf der angegebenen Webseite kann man die verschiedenen Temperaturverläufe selber aufrufen.

Autor: Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 5 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Ruedi Menzi  |  05.März 2010 at 19:35

    Etwas befremdendes hat der Kontrast schon:

    Hier eine ueberwaeltigende Fuelle von Berichten, die nur einen Schluss zulassen. Da wird der praktisch vollstaendige Durchblick in anerkanntermassen komplexen Zusammenhaengen propagiert. Sogar Toleranzbaender fuer ihre Vorhersagen koennen diese Autoren liefern. Hut ab!

    Auf der andern Seite die Spitzenleute der Klimaforscherszene, die offenkundig bestrebt waren, interessierte Personen daran zu hindern, so einfache Dinge wie Thermometerablesungen und die bei deren Verarbeitung eingesetzten Rechenverfahren kennenzulernen!

    So heisst es in diesem
    http://www.timesonline.co.uk/tol/news/politics/parliamentary_sketch/article7046005.ece
    Bericht zum Hearing der britischen PUK zum Thema der vom Server der University of East Anglia gehackten E-Mails:

    Professor Phil Jones bestand darauf, dass die meisten Rohdaten oeffentlich zugaenglich gewesen seien. Von PUK-Mitgliedern danach gefragt, wie es um die Rechenmethoden stuende, ob diese oeffentlich zugaenglich gemacht worden seien, antwortete er: “Das ist nicht der Fall.”

    Ein Labour-Abgeordneter, Graham Stringer, fragte ihn weshalb. Darauf Prof. Jones: “Weil es nicht Brauch war, das zu tun.”

    “Nun denn”, protestierte Mr. Stringer, “wie kann dann die Wissenschaftlichkeit ueberprueft werden?”

    Prof. Jones, konnte darauf keine ueberzeugende Antwort geben, genauso wenig wie bei den meisten anderen Fragen.

    Uebersetzung RM

  • 2. Klaus Ragaller  |  06.März 2010 at 10:11

    Antwort an Herrn Menzi: der heftige und seit Monaten anhaltende Medien- und Blog-Rummel um die eMails von Phil Jones hat zu keinerlei Korrekturen irgendwelcher wissenschaftlicher Fakten geführt. Dies wurde von vielen unabhängigen Instanzen untersucht, eine Übersicht findet sich hier: http://climateprogress.org/2009/12/08/the-american-association-for-the-advancement-of-science-aaas-reaffirms-climate-scienc/. Wo bleibt die Skepsis der sog. Skeptiker ihren eigenen Kampagnen gegenüber?

  • 3. Ruedi Menzi  |  22.April 2010 at 03:10

    Aber nein auch, Herr Ragaller!
    Die Sache mit der Skepsis ist doch viel einfacher: Die Herren Klimawissenschaftler sollen doch einfach ihre Daten und Methoden veröffentlichen!

  • 4. Klaus Ragaller  |  22.April 2010 at 11:22

    Antwort an Herrn Menzi: an Daten mangelt es ja nicht, das Problem ist eher, dass sich nur wenige die Mühe machen, sich in die Datenfülle z.B. der IPCC Berichte einzuarbeiten.

  • 5. Schweizer Klimapolitik au&hellip  |  20.Mai 2010 at 07:47

    [...] Blogs zum Thema Klimawandel: Klimablog.ch, realclimate.org var a2a_config = a2a_config || {}; a2a_localize = { Share: "Share", Save: [...]

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