Neueste Generation der Klimamodelle: ein faszinierendes Video, detaillierte Prognosen und Klärung von bisher offenen Fragen

05.Oktober 2011

In einigen früheren Beiträgen haben wir immer wieder über die Fortschritte bei der Klimamodellierung berichtet: (neue Ära der Klimamodellierung. Klimamodelle im präziser., Klimamodelle immer leistungsfähiger). Die Besucherstatistik zeigt, dass für diese Fragestellung ein besonders grosses Interesse besteht. Die Verbesserungen der Modelle schreiten enorm rasch voran, zunehmend werden die beobachtbaren Details von Wetterlagen von den Modellen wiedergegeben. Andererseits ist es für interessierte Laien nicht einfach, sich ein “Bild” zu machen von diesen komplexen Modellen. Eine grosse und laute Skeptiker-Szene schürt ausserdem laufend Zweifel an der Möglichkeit, das Klima überhaupt zu modellieren.

Das Center for Climate Systems Modeling der ETH Zürich und von MeteoSchweiz hat in ihrem neuesten Newsletter ein Video vorgestellt, dass mit hochauflösenden Klimamodellen hergestellt wurde. Es zeigt unglaubliche Details wie Wirbelstürme im Pazifik, Zirruswolken in Zentralafrika, Niederschläge bei Föhnlagen in den Alpen. Die Auflösung beträgt 25 km. Viel Vergnügen beim Betrachten!

Mit der neuesten Generation von Modellen sind Detail-Klimaprognosen für spezifische Regionen möglich. Ein aktuelles Beispiel ist der Klimabericht CH2011  , siehe auch den Beitrag von Reto Knutti im  ETH Klimablog. Das folgende Bild aus diesem Bericht zeigt die Prognosen für die Temperaturen (links) und die Niederschläge (rechts) im Winter (oben) und im Sommer (unten). Die verschiedenfarbigen Prognosewerte beziehen sich auf verschiedene Emissions-Szenarien. Violett entspricht ungefähr “weiter-wie-bisher. Die Erwärmung wäre im Jahr 2100 über 4 Grad und der Sommer wäre um 25 % trockener!!

Ein wesentlicher Fortschritt bei der Modellierung wurde durch die genauere Modellierung der Ozeanströmungen in Wechselwirkung mit der Atmosphäre erreicht. Diese Modelle können Antworten auf einige bisher offene Klimafragen liefern. In einer neueren Arbeit, die in RealClimate  und in Skeptical Science besprochen wird, kann Mehl den Grund dafür finden, dass der Temperaturanstieg nicht gleichmässig verläuft sondern Phasen mit stärkerem Anstieg abwechseln mit schwächeren Anstiegen, wobei diese Phasen typisch mehrere Jahre dauern. In den Modellierungen mit den gekoppelten Modellen von Ozean und Atmosphäre zeigt sich dieses beobachtete Verhalten ebenfalls. In den Modellrechnungen kann man  die Ursachen für dieses unerwartete Verhalten indentifizieren. Es zeigt sich, dass in den Phasen mit langsamerem Anstieg der Temperatur ein erhöhter Austausch zwischen den oberen und den tieferen Meeresschichten erfolgt, sodass ein grösserer Teil der eingestrahlten Überschussenergie in tiefere Meeresschichten eingelagert wird. Der immer weiter verfeinerte Vergleich von Details der Modellierung mit den ebenfalls rapid ausgeweiteten und verfeinerten Messungen verspricht weiterhin rasche Fortschritte auf dem Gebiet der Klimamodellierung.

 

Autor: Klaus Ragaller

 

 

Artikel gespeichert unter: Klima

Ihr Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld, anonym

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren