“Klimawandel 2013, die physikalischen Grundlagen” – der neue IPCC Bericht

14.Oktober 2013

Climate Change 2013 The physical science basis lautet der Titel des soeben veröffentlichten Klimaberichts der Arbeitsgruppe I des IPCC. Auf über 2000 Seiten und in 14 Kapiteln wird der aktuelle Stand der Forschung in transparenter und detaillierter und trotzdem sehr übersichtlicher Form dargestellt.

Nach einem Technical Summary und einer Einführung behandeln die ersten drei Kapitel die beobachteten Veränderungen von Atmosphäre und Erdoberfläche, der Ozeane und der Kryosphäre (Eisschilde, Gletscher, Meereis, Schnee). Es folgt ein Kapitel über das Klima der Erdvergangenheit und was man daraus ableiten kann, sodann ein Kapitel über Kohlenstoff- und andere biogeochemische Zyklen und eines über Wolken und Aerosole.

Weitere Kapitel sind folgenden Themen gewidmet: Der menschgemachte und der natürliche Strahlungsantrieb, die Evaluation der Klimamodelle, Detektion und Attribution des Klimawandels global und regional, Kurzfristvorhersagen des Klimawandels, langfristiger Klimawandel, Projektionen, resultierende Verpflichtungen, Irreversibilität, Anstieg des Meeresspiegels, Klimaphänomene und ihre Bedeutung für den regionalen Klimawandel.

Zu jedem Kapitel gibt es äusserst ausführliche Literaturangaben und eine Fülle graphischer Darstellungen. Für jedes Kapitel zeichnet eine Gruppe der dazu weltweit führenden Forscher verantwortlich.

Eine derartig umfassende, aktuelle Darstellung mit dieser mehrfach kontrollierten Qualität dürfte in der Wissenschaftsgeschichte einmalig sein.

Der Bericht ist wohl vor allem eine wichtige Arbeitsgrundlage für Forscher. Die Lektüre lohnt sich jedoch auch für interessierte Laien. Das zusammenfassende Bild  vom Stand der Klimaforschung wird nicht nur bestätigt, sondern durch eine überwältigende Vielfalt neuer Erkenntnisse ergänzt, abgesichert, vertieft und verfeinert.  Dabei gehen die Autoren äusserst sorgfältig vor, sie unterscheiden peinlichst zwischen weitgehend gesicherten Erkenntnissen und noch nicht voll abgesicherten. Eines der häufigst verwendeten Ausdrücke im Text ist: “muliple lines of evidence”. D.h. Erkenntnisse werden erst dann akzeptiert, wenn sie durch ganz verschiedene voneinander unabhängige Forschungsmethoden bestätigt werden.

Dieser Bericht wird noch für lange Zeit eine erstrangige Referenz für Klimafragen bleiben. Besonders wichtig für die Orientierung wird aber auch sein, wie die führenden Forscher, die an dem Bericht mitgewirkt haben, die Erkenntnisse kommunizieren und zusammenfassen.

An der ETH Zürich fand dazu kurz nach der Publikation des Berichts die Veranstaltung  ETH Klimarunde 2013 statt. Prof. Reto Knutti hat dort die folgende hervorragende Zusammenfassung des Berichts gegeben:

Die für die Klimapolitik zentrale Schlussfolgerung, wie viel CO2 emittiert werden darf, damit das von den Regierungen im Rahmen der UN Klimaverhandlungen anvisierte 2 Grad Ziel nicht überschritten wird, ist in dem Bericht in folgendem Diagramm dargestellt. (Fig. 1 auf S 127 im Technical Summary). Zu der Figur findet man im Bericht eine detaillierte Erklärung. Hier nur so viel: Die verschiedenen Klimamodelle liefern Ergebnisse, die unabhängig vom Szenarium einen einheitlichen Zusammenhang zwischen Temperaturzunahme und insgesamt kumulativ emittiertem CO2 aufweisen. Die verschieden farbigen Kurven sind die Verläufe der verschiedenen Szenarien. Der Endpunkt der Kurven mit dem Rautensymbol zeigt den Temperaturanstieg im Jahr 2100 für das jeweilige Szenario. Nur die dunkelblaue Kurve hat einen Endpunkt unter 2 Grad (Szuenario RCP 2.6). Der Endpunkt zeigt weiter, dass um das 2 Grad Ziel nicht zu überschreiten, maximal die kumulierte Emission von 1000 Gigatonnen Kohlenstoff erlaubt ist.

Das kleine Diagramm links oben im Bild zeigt den Vergleich von früheren Vorhersagen mit den Messwerten.

Was dieses Ergebnis für unsere Klimapolitik bedeutet hat Prof. Knutti in folgendem Diagramm noch weiter veranschaulicht. Wenn zusätzlich zum CO2 noch andere Gase und Effekte berücksichtigt werden, ist das erlaubte Budget nur noch 800 Gigatonnen. Davon haben wir schon 2/3 emittiert. Das noch erlaubte Emissionsbudget ab jetzt ist also noch 270 Gigatonnen C. Mit unseren momentanen jährlichen Emissionen von nahezu 10 Gt wäre dieses Budget in etwa 20 Jahren aufgebraucht.

Das vorherige Bild zeigt, dass bei dem Szenario RCP 8.5, das in etwa dem “weiter wie bisher” entspricht, bis 2100 ein Temperaturanstieg von über 4 Grad zu erwarten ist. In dem Diagramm sieht man auch ganz gut, dass die Unsicherheit dieser Vorhersagen bis zum 2 Grad Bereich noch relativ klein ist. Der Unsicherheitsbereich nimmt aber mit zunehmenden Gesamtemissionen zu. Das heisst z.B. dass das Risiko einer noch wesentlich grösseren Temperaturerhöhung bei dem “weiter wie bisher” Szenario nicht ausgeschlossen werden kann.

Autor: Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

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