James Hansen: schon 2 Grad Erwärmung hätte katastrophale Konsequenzen

Die CO2 Konzentration steigt – trotz Rezession – weiter an, der aktuelle Wert liegt laut NOAA bei 390 ppm siehe Bild. In der Öffentlichkeit wird darüber diskutiert, ob denn das 2 Grad Ziel, zu dem sich die Regierungen in Cancun verpflichtet haben, überhaupt noch erreichbar sei (es entspricht einer CO2 Konzentration von 450 ppm). F. Birol, der Chefökonom der IEA sagt dazu: “heute sind wir knapp davor, uns vom 2 Grad Ziel zu verabschieden”.

Die Klimaforschung präzisiert derweilen laufend ihre Befunde. Die Präzisierungen weisen alle in die Richtung einer bisher unterschätzten Dynamik der Klimaerwärmung, ein Beispiel brachten wir in einem früheren Beitrag. Ein weiteres Beispiel ist die Publikation von  Jeffrey Kiehl (Senior Scientist der University Corporation for Atmospheric Research) in  Science, January 14, 2011 “Earths hot past could be prologue for future climate“: “The magnitude of climate change millions of years ago suggests that future temperatures may increase far more than projected”

Ganz besonders beachtens- und lesenswert ist jedoch die soeben erschienene Arbeit von James Hansen mit Makiko Sato “Paleoclimate Implications for Human-Made Climate Change” .

Hansen und Sato zeigen auf, dass selbst bei Einhalten des 2 Grad Ziels drastische Konsequenzen wie ein Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter resultieren würde, dieses Ziel sei deshalb gefährlich und “foolish”. Sollen gefährliche Entwicklungen vermieden werden, dann  müssen die CO2 Emissionen innerhalb der nächsten zehn Jahre drastisch abnehmen , Kohle und die alternativen Brennstoffe wie Öl und Gas aus Schiefer müssen im Boden bleiben. Selbst dann steigt das CO2 noch auf 400 ppm, würde danach aber langsam bis Mitte des Jahrhundertts auf den erträglichen Wert von 350 ppm absinken.

Wir fassen im folgenden einige wichtige Punkte der Arbeit kurz zusammen. Die Lektüre der Originalarbeit,  ist ein spannendes Lehrbeispiel für die raffinierten Methodedn der Klimaforschung und vor allem für die enorme Aussagekraft, die durch das Zusammenwirken der verschiedenen Forschungs-Disziplinen wie die verschiedenen Messmethoden zur Erforschung der Erdgeschichte oder die Satellitenmessungen usw. gewonnen wird.

Hansen und Sato haben die bekannten Eiszeitzyklen der letzten 500 000 Jahre genauer untersucht. siehe Bild.

In diesem Zeitraum gibt es zwei Warmphasen, das Holsteinian und das Eemian, die wärmer waren als “unser” Holozän. Während dieser Phasen war der Meeresspiegel mindestens 5m höher als heute. Welcher Temperaturanstieg führte zu diesem damit verbundenen starken Abschmelzen der Eisschilde? Hansen und Sato kommen aufgrund sorgfältiger Auswertungen der Temperaturmessungen mittels Meeressedimenten (das Bild oben zeigt diese Auswertungen) zum Schluss, dass die Temperatur höchstens ein Grad wärmer war als das Holozän Maximum (oder die Temperatur im Jahr 2000). Das ist eine deutliche Korrektur gegenüber früheren Auswertungen aufgrund von Eisbohrkernen aus Grönland und der Antarktis. Nach Hansen und Sato sind die Sediment-Temperaturen zuverlässiger als die Eiskernmessungen, da letztere in Warmphasen nicht die mittlere Temperatur anzeigen, sondern eine auf Grund der “polar amplification” (Albedo Flip Mechanismus) erhöhte Temperatur in den Polregionen (ein Phänomen, das man auch heute beobachten kann: z.B. hier). Eine Temperaturerhöhung von 1 Grad über den Wert des Jahres 2000 würde also zu mindestens 5 m Anstieg des Meeresspiegels führen.

Noch ist unklar, wie schnell so ein Anstieg erfolgen würde. Auch dazu liefert die Arbeit einige Hinweise. Die Messungen der Eismassen in den Eisschilden von Grönland und der Antarktis (Satellitenmessungen) zeigen nicht nur eine deutliche Abnahme (obere Diagramme in folgendem Bild), sondern die Abnahme selbst beschleunigt sich (untere Diagramme). Der Zeitraum der Messungen ist zwar noch zu kurz für sichere Aussagen. Die Messungen deuten jedoch auf einen exponentiellen Vorgang hin, mit einer Verdopplungszeit von weniger als 10 Jahren. Dies könnte zu Meeresspiegelanstiegen von 1m pro Dekade führen.

Diese kurze Darstellung soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter diesen Resultaten eine aufwendige Analyse eines riesigen Datenmaterials steckt (ca 70 Referenzen von wissenschaftlichen Originalarbeiten). Es braucht eine enorme Erfahrung und wissenschaftliche Kompetenz in verschiedenen Disziplinen der Klimaforschung um solche aussagekräftige Schlussfolgerungen aus den Daten abzuleiten und es braucht Mut, persönliche Einschätzungen vorzunehmen, bevor alle Details mehrfach abgesichert sind.  Dies ist ein Unterschied zu dem auf mehrfache Absicherung ausgerichteten Anspruch des IPCC, der damit natürlich nicht relativiert werden soll. Es braucht beides. Bei den extrem anspruchsvollen vorauseilenden Einschätzungen sollte man jedoch die Qualifikation der Forscher beachten. James Hansen ist diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben. Er ist ein herausragender Forscher, der viele Klima-Fragen als Erster lange im voraus richtig analysierte und seine Analysen wurden im weiteren Verlauf immer bestätigt. Schon der nächste IPCC Bericht wird wahrscheinlich Hansens Einschätzungen bestätigen. Es bleibt zu hoffen, dass der dringende Handlungsbedarf nicht bis dahin aufgeschoben wird.

Autor: Klaus Ragaller

jetzt kommentieren? 25. Januar 2011

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