Auf dem Weg zur 2000W-Gesellschaft

07.Januar 2007

Nachhaltigkeit

Eine nachhaltige Entwicklung ist dann gewährleistet, wenn unsere heutigen Bedürfnisse so befriedigt werden können, ohne dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen geschmälert werden, dieselben Bedürfnisse zu befriedigen.

[Definition der Brundtland-Kommission in: Our common Future: the World Commission on Environment and Development, 1987]

Die Reduktion des CO2-Ausstosses, resp. das Aufhalten des Klimawandels sind eine der vordringlichsten Herausforderungen für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Gesellschaft.

Globaler Energieverbrauch

Der heutige globale Energieverbrauch beträgt gut 1800 W pro Person und verursacht dadurch einen weltweiten CO2-Ausstoss von 24 Milliarden Tonnen, also gut 3.5 t pro Person. Um den Klimawandel zu stoppen, resp. nachhaltig zu stabilisieren, darf jedoch nur ca. 1 t pro Person ausgestossen werden. Dies bedeutet, max. 500 W fossil erzeugte Energie pro Person.

Schweizerischer Energieverbrauch

Eine durchschnittliche Person verbraucht heute in der Schweiz eine Gesamtmenge an Energie von ca. 44′000 kWh für Verkehr, Wohnen, Produktion, etc., was ca. 5000 W permanenter Leistung entspricht. Mehr als 80 % davon werden nicht nachhaltig erzeugt / geliefert, mit über 50% fossilen Rohstoffen. Dank Wasserkraft und Kernbrennstoffe ist der Energiemix in der Schweiz aus CO2-Sicht jedoch vorteilhafter als in den meisten anderen Industriestaaten.

Der Verbrauch der Energie ist in etwa zu je einem Drittel auf die 3 Verbrauchergruppen aufgeteilt: Private Haushalte, Industrie und Dienstleistung, Verkehr.

Anders zusammengestellt entfällt gut die Hälfte des heutigen Energieverbrauchs auf die Erstellung, Sanierung, Betrieb und Unterhalt von Gebäuden. Davon 60% auf Wohnbauten, 30% auf Dienstleitungsbauten und 10% auf Industriebauten.

Quellen:

- Gesamt-Energiestatistik Schweiz 2005, BFE: Jahres-Primärenergieverbrauch: ca. 44′000 kWh / Person
- Umweltstatistik 2006 (BFS und BAFU): Jahres End-Energieverbrauch: ca. 32′000 kWh/Person.

Ziel 2000 W-Gesellschaft

Um einer nachhaltigen Entwicklung zu entsprechen und den Klimawandel zu verlangsamen wäre eine max. Leistung von 500 W pro Person möglich. Um aber Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen, wurde von der ETH Zürich die Vision für eine nachhaltige Gesellschaft, die sog „2000 W-Gesellschaft“ definiert. Das bedeutet, dass die zusätzlich benötigte Energie, welche zur Erhaltung unseres Lebensstandards nötig sind, d.h. die zusätzlichen 1500 W erneuerbar erzeugt werden müssen.

Somit dürfte eine Person eine permanente Leistung von 2 kW an Energie verbrauchen, was einem Jahres-Energieverbrauch von ca. 17’500 kWh entspricht.

Weg zur 2000 W-Gesellschaft

Die Umsetzung dieser Vision bedarf die Ausschöpfung aller Potentiale in allen Verbraucherkategorien, sonst ist dieses Ziel kaum zu erreichen. Voraussetzung dazu sind eine effiziente Erzeugung und Umwandlung von Energie, Reduktion der Nutzung von nicht erneuerbaren Energien und v.a. Nutzung und Förderung von erneuerbaren Energien.

Da über die Hälfte des Energieverbrauchs für Gebäude aufgewendet werden, ist hier der Massnahmen-Schwerpunkt zu setzen – das grösste brach liegende Potential.

Da Gebäude aber eine relativ lange Lebensdauer und Erneuerungszyklen haben, gilt es bei einer anstehenden Erneuerung die Chance zu packen, die energetisch besten Möglichkeiten zu nutzen und umzusetzen.

Es gilt also:

- Neubauten nach den besten heutigen Standards erstellen, als Passivhaus Minergie P
- Umbauten und Sanierungen nach dem Niedrigenergiestandard Minergie
- Klein- und Unterhaltssanierungen als Anlass für energetische Sanierungen nutzen
- Neue Wärmesysteme mit möglichst grossem Anteil erneuerbarer Energie
- Geräte und Installationen mit maximaler Energieeffizienz
- Beschleunigung der Erneuerungszyklus des bestehenden Gebäudeparks

Um dies umzusetzen sind folgende dringende Massnahmen nötig:

- CO2-Gesetz sofort umsetzen, weitergehende ökologische Steuersysteme und Lenkungsabgaben vorbereiten
- Bauvorschriften betreffend Gebäudestandards für Wärmedämmung und Haustechnik verbessern
- Einführung eines Gebäude-Energiepasses, analog zur Energieetikette auf Elektrogeräten

Autor: Andreas Edelmann

Quellen:

Energieperspektiven 2050 der Umweltorganisationen, www.energiestiftung.ch
Faktor, Potential Wohngebäude, Markus Koschenz und Andreas Pfeiffer, 2006

Artikel gespeichert unter: Massnahmen, Politik Schweiz

bisher 3 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Alexander Müller  |  16.Januar 2008 at 19:58

    Was macht Sie eigentlich so sicher, dass der K limawandel durch eine CO2-Reduktion gestoppt werden könnte?

    Haben Sie schon einmal etwas von Eiszeiten und Wärmeperioden gehört? Zur Info: Temperaturschwankungen gibt es nicht erst seit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Es hat auf der Erde schon Temperaturschwankungen gegeben ehe es Menschen gab. Sogar die CO2-Konzentration war im Karbon schonmal ca. 3mal höher als heute. Die Welt ging damals übrigens wie man heute weiss nicht unter.

    Leute wie Al Gore und andere Klimaschwindler lügen uns das Blaue vom Himmel herunter um mit ihren Umweltfirmen Kasse machen zu können, das gilt auch für Umweltschutzorganisationen und politische Parteien, die wiederum politisches Kapital aus der Hysterie rund um den Klimawandel schlagen wollen.

    Grossverteiler wie der Coop kommen nicht darum herum in ihren Konsumblättern in X-Seiten darüber zu berichten, was sie alles für den Umweltschutz tun. Wer mag das eigentlich noch alles lesen? Bei mir wandern solche Pamphlete direkt zum Altpapier.

  • 2. ragaller  |  16.Januar 2008 at 22:05

    Guten Tag, Herr Müller

    Ja, wir haben schon von Eis- und Warmzeiten gehört – Klimaforscher auch – und die Bezüge zur aktuellen Erwärmung werden genau untersucht und sind grossteils gut verstanden.

    Und: es ist nicht so, dass der Klimawandel durch eine CO2-Reduktion noch gestoppt werden kann – dafür ist es bereits zu spät. Aber durch eine rasche Reaktion können katastrophale Folgen abgewendet werden.

    Gut reagieren Sie bei unserem Blog nicht mit einem “Altpapier-Reflex” sondern schreiben einen Kommentar!

    Jürgen Ragaller

  • 3. Klaus Gatz  |  08.Januar 2010 at 23:04

    Guats Nächtli, Herr Müller,
    mir ist nicht bekann, dass es im Karbon knapp 7 Milliarden Menschen auf unserem Planeten gegeben hat, die mit ihrer Lebensweise eine gravierende Veränderung ihrer Lebensbedingen, und zwar zum Schlechten hin, hätten bewirken können. Ich weiß auch nicht, ob Sie Kinder und Enkel haben. Hätten sie sie, würden Sie sich vielleicht Gedanken machen, wie deren Lebensbedingungen wären, wenn wir beispielsweise mit fossilen Energieträgern, die in 100 en Millionen Jahren aufgebaut wurden, weiterhin in relativ wenigen Jahrzehnten so verschwenderisch und die Atmosphäre belastend umgehen, wie wir das tun. 7 Milliarden Menschen ins Exil zu treiben, weil der eigene Planet langsam unbewohnbar geworden ist, wohlgemewrkt: für 7 Milliarden Menschen – dazu bräucht’s Logistik. Und vor allem: ein bewohnbares Ziel. Vielleicht wissen Sie eines. Die Redaktion wird dankbar sein für entsprechende Mitteilung, denke ich.
    Zugegeben ein später Kommentar. Aber angesichts der von Ihnen angezogenen erdgeschichtlichen Dimensionen sind die zwei Jahre vielleicht ein Klacks.
    Klaus Gatz

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