CO2 Deponie Atmosphäre – in 20 Jahren voll?

08.Mai 2009

Zwei neuere wissenschaftliche Arbeiten ( Meinshausen et al. und Allen et al.) über die Modellierung des zukünftigen Klimas und der verschiedenen Optionen zur Verhinderung eines Temperaturanstiegs über die als kritisch angesehene Grenze von 2 Grad betonen die Bedeutung der Gesamtmenge von emittiertem CO2 als die relevante Grösse. Wer die Forschung einigermassen verfolgt hat, für den ist das an sich nicht neu. Es ist eine Folge der langen Verweildauer des CO2. Dennoch macht die Betonung der Gesamtmenge die Zusammenhänge leichter verständlich. Bisher wurde meist mit den Emissionsraten argumentiert. Wenn sie heute zwar zu hoch seien, könnten sie ja in Zukunft reduziert werden, zukünftige Emissionsreduktionen wären billiger, sie seien ja zu diskontieren – so eine häufig geführte Argumentation.

Wenn man sich die Gesamtmenge ansieht, dann verträgt die Atmosphäre insgesamt 1500 Milliarden Tonnen CO2 (ohne über die gefährliche und unverantwortbare 2 Grad Grenze zu geraten). Davon sind bereits 1/3 in die Atmosphäre emittiert worden. Für die restlichen 2/3 haben wir nur die Wahl über welchen Zeitraum wir diese “Restdeponie” füllen. “Bleiben die Emissionen ab jetzt konstant  haben wir das restliche Kontingent schon in 20 Jahren verbraucht”. So schreibt  Stefan Rahmstorf, einer der führenden Klimatologen und Mitautor der erwähnten Studie (siehe auch unseren früheren Beitrag). In folgender Grafik wird dieser Zusammenhang darin sehr eindrücklich dargestellt:

meinshausen21Je später wir mit der Emissionsreduktion beginnen, desto drastischer muss sie sein. Angesichts der Tatsache, dass die Emissionen bis jetzt immer noch ansteigen sind alle diese verschiedenen Optionen extrem anspruchsvoll und sollten eigentlich die Dringlichkeit einer Kehrtwende signalisieren.  Die starke Resonanz auf diese Studien in der Öffentlichkeit (“Wie viel CO2 verträgt unsere Atmosphäre” titelte z.B. die NZZ)  lässt hoffen.

Noch in einer anderen Hinsicht ist der Fokus auf der Gesamtmenge von erheblicher Bedeutung. Nämlich bei der Frage der Verantwortung bzw. dem Handlungsbedarf der verschiedenen Länder. Nimmt man als Massstab die akkumulierten Emissionen (statt wie üblich der jetzigen Emisssionsraten), dann zeigt sich die überwiegende Verantwortung der Industrieländer. Aus dem Buch von McKay ist die folgende Grafik, die diesen Zusammenhang darstellt:

figure12

Die Fläche der Säulen gibt die Menge des bisher emittierten CO2 an, die Breite die Bevölkerungszahl und die Höhe die durchschnittliche bisherige Emissionsrate seit 1880.

Natürlich sind bei der Frage der Reduktion der Emissionsraten neben den historischen Werten die heutigen Emissionen als Ansatzpunkt für Massnahmen zu nehmen. Das folgende Bild aus McKay zeigt die jetzige Emissionsrate pro Kopf (Höhe der Balken) und die Anzahl der Menschen (Breite der Balken), die Fläche zeigt den Beitrag der betreffenden Region zu der Gesamtmenge von emittiertem CO2 von insgesamt etwa 40 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr an.

figure101

Autor:

Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 9 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. flöschen  |  21.Mai 2009 at 15:11

    Interessanter Artikel! Im Moment sieht es zwar nicht danach aus, als ob bald die grossen Reduktionen kommen würden, aber die Hoffnung darf man ja noch haben – und ein wenig Einsatz zeigen natürlich auch… ;-)

  • 2. Klimablog » Stefan &hellip  |  26.Mai 2009 at 07:51

    [...] verhindern, dass die weitere Klimaentwicklung ausser Kontrolle gerät – sein zusammenfassendes Bild der Handlungsoptionen hatten wir schon im letzten Beitrag gezeigt. Die Dringlichkeit zum Handeln [...]

  • 3. Klimablog » Klimako&hellip  |  10.Juni 2009 at 14:28

    [...] Yvo de Boer ist soeben, noch während der Bonner Konferenz, mit einer deutlichen Warnung an die Öffentlichkeit getreten (NZZ 9.6.2009). Die von den Industrieländern vorgeschlagenen Reduktionsziele reichen nicht aus, um die von der Forschung verlangte Erwärmungsobergrenze von 2 Grad nicht zu überschreiten. Selbst die von der Europäischen Union, die eine Führungsrolle beansprucht, angebotenen 20 % gegenüber 1990 liegen unter dem vom IPCC geforderten Bereich von 25 bis 40 % .  Die USA unternehmen zwar seit Obamas Amtsantritt enorme Anstrengungen um Mehrheiten für eine gegenüber der Bush-Administration radikal veränderte Politik zu gewinnen, durchaus mit beachtlichen Fortschritten. Aber das Reduktionsziel, das sie in Bonn anbieten – 17 % Reduktion gegenüber 2005, entsprechend 4 % gegenüber 1990 – ist bei weitem zu tief. Siehe auch unseren früheren Beitrag zu den Reduktionsalternativen. [...]

  • 4. Matthias Haltenhoff  |  20.Juli 2009 at 11:21

    Verwirrende Nachrichtenlage. -Die Welt wird auch in 20 Jahren noch zu 80 Prozent von Erdöl abhängen – davon jedenfalls ist Christoph Rühl, Chefvolkswirt bei BP, überzeugt-

    Da kann man doch nur inständig hoffen, daß dieses nicht der Fall sein möge.

    Es gibt nicht wenige, die wohl begründet und besorgt feststellen, daß die Uhr bereits gegen uns läuft. Das vor dem Hintergrund der drohenden Klimaerwärmung und den angenommenen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen die zu bewältigen sein werden, die sogenannte Finanzkrise wie ein laues Lüftchen erscheint.

    In 20 Jahren hängen immer noch 80% der Welt am Erdöl?
    Es wird wohl am Ende die schlichte Kosten / Nutzen Rechnung sein,die dieses Szenario unmöglich machen wird.

  • 5. Cornelius Graber  |  31.August 2009 at 06:46

    CO2 ist 1,5 mal schwerer als Luft. Eine der grössten Trugschlüsse der Befürworter der Theorie der globalen Erwärmung ist, dass das CO2 sich einfach und schnell in der Atmosphäre vermischt. Das tut es nicht. Sie argumentieren auch, dass das CO2 die effektivste Art ist die Wärme von der Erde (Infrarotstrahlung) in den obersten Schichten der Atmosphäre einzufangen. Deshalb sagen ihre Computermodelle voraus, die grösste Erwärmung findet hoch in der Atmosphäre über den Tropen statt. Das Problem ist nur, die durchgeführten Temperaturmessungen bestätigen das nicht.
    Versucht doch einfach mal einen Ballon anstelle mit heisser Luft, mit CO2 zu füllen. Dies sollte die einzige Transportart für Klimahysteriker sein, jeder würde dann genau dort an Ort und Stelle bleiben bis er seine Ignoranz der Wissenschaft gegenüber erkennt. CO2 ist schwerer als Luft und die höchste Konzentration ist am Boden, weil es eben nicht in die Athmosphäre steigt.

  • 6. Klaus Ragaller  |  31.August 2009 at 11:41

    Zum Kommentar von Cornelius Graber: Die unterschiedlichen Molekulargewichte der verschiedenen Gase in der Atmosphäre haben einen Einfluss auf deren Verteilung im Schwerefeld. In den unteren Schichten sorgt die dort herrschende Turbulenz allerdings für eine vollständige Durchmischung. Solche elementaren Zusammenhänge finden sich in jedem Lehrbuch der Atmosphärenphysik. (Z.B. “The Physics of Atmospheres” von John Houghton ab Seite 60). Der Strahlungstransport in der Atmosphäre führt bei erhöhtem CO2 in den obersten Schichten zu einer tieferen Temperatur – ein Effekt, der durch Satellitenmessungen voll bestätigt wurde.
    Selbstverständlich sind alle diese elementaren Effekte in den Klimaforschungen berücksichtigt.

  • 7. Klimablog » Kopenha&hellip  |  16.November 2009 at 14:51

    [...] zuhört muss daraus einen höchst dringlichen Handlungsbedarf ableiten (dazu z.B. unser  früherer Beitrag). Umweltorganisationen drängen entsprechend auf rasches Handeln. Gross ist aber noch die [...]

  • 8. C. G.  |  29.November 2010 at 10:09

    Die Fakten:
    Die Daten für die so wichtige „Hockey Stick“ Grafik sind verschwunden
    - Es gibt keine globale Klimaerwärmung seit 1995
    - Warmperioden gab es schon früher die nicht von Menschen verursacht wurden

    Der Klimapapst schlechthin, Phil Jones, gibt offen zu was nun auch langsam den reduktionistisch ausgerichteten Kreisen dämmert:

    Der Umweltanalyst der BBC Roger Harrabin fragte Jones:

    Frage: Stimmen sie dem zu, dass seit 1995 bis heute gibt es keine statistisch signifikante globale Erwärmung?

    Antwort: Ja, aber gerade so. Ich errechnete den Trend für die Periode 1995 bis 2009. Dieser Trend (0,12 °C pro Dekade) ist positiv, aber nicht signifikant …”

    Frage: Stimmen sie dem zu, dass von Januar 2002 bis heute es eine statistisch signifikante globale Abkühlung gibt?

    Antwort: Nein. Diese Periode ist sogar kürzer als 1995-2009. Der Trend hier ist negativ (-0,12 °C pro Dekade), aber dieser Trend ist nicht statistisch signifikant.

    Also wir sehen, die globalen Durchschnittstemperaturen bewegen sich minimal hin und her. Viele Wissenschaftler meinen, so kleine Schwankungen um Zehntelgrad sind gar nicht messbar, denn die Ungenauigkeit ist höher.

    Diese totale Meinungsänderung des obersten Klimapapst bestätigt was wir Skeptiker der anthropogenen Klimaveränderung immer schon gesagt haben, es gibt ernsthafte Fehler in der sogenannten Wissenschaft und es ist zu einem orthodoxen Dogma, ja zu einer Religion geworden, die man nicht anzweifeln darf, der Mensch sei schuld an einer Klimaerwärmung.

    Jetzt stellt sich heraus, wir hatten mit unserer Kritik recht und Jones bestätigt es sogar. Es gibt schon seit 15 Jahren keine Klimaerwärmung und in den letzten Jahren kühlt sich das Klima sogar leicht ab!!!

  • 9. Klaus Ragaller  |  29.November 2010 at 10:33

    Antwort an C.G.:
    Soeben hat das MetOffice für Cancun eine Beurteilung des Standes der Messungen und Beobachtungen zum Klimawandel publiziert: http://www.metoffice.gov.uk/corporate/pressoffice/2010/pr20101126b.html
    Der erste Absatz daraus liefert eine sachgerechte Einordnung der von Ihnen zitierten Quellen:
    “There is overwhelming evidence of warming in a wide range of climate indicators, not just surface temperature. The picture for short-term trends is more complicated. Short-term variations are affected by natural variability and other factors as well as long-term warming. In the last 10 years the rate of warming has decreased whilst the rate of loss of sea-ice extent has increased — an apparent contradiction — the Met Office’s latest analysis of the science shows that this is entirely consistent with our understanding of how the climate behaves and with our model projections.”

Ihr Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld, anonym

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren