Wir nennen es Klimawandel, für Entwicklungsländer ist es eine Klimakatastrophe.

21.September 2009

Ein weltweites Abkommen zur Bekämpfung des Klimawandels ist das Ziel der Klimakonferenz vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen. Drei Ländergruppen werden am Verhandlungstisch sitzen mit höchst unterschiedlichen Voraussetzungen und Interessen.

Die Industrieländer sind überwiegend für den bisherigen CO2 Anstieg verantwortlich, eine Reduktion der Emissionen wird zwar als Ziel anerkannt aber sehr zögerlich umgesetzt, aus Angst vor Wettbewerbsnachteilen und hohen Kosten (und wohl auch wegen der immer noch vorhandenen Leugner).

Die Schwellenländer wollen schnell ihren Entwicklungsrückstand aufholen, Klimaschutz wird zwar zunehmend als notwendig anerkannt, Massnahmen werden aber vor allem von den bisherigen Verursachern gefordert, eigene Massnahmen sollten das schnelle Wachstum möglichst wenig beeinträchtigen.

Bei der Beschreibung der Entwicklungsländer stockt einem der Atem. Diese Länder haben bis jetzt praktisch nichts zum Klimawandel beigetragen, tragen auch jetzt und in absehbarer Zukunft wenig bei und dennoch sind dort grosse Bevölkerungsmassen auf existentielle Art bedroht, zum Teil bereits jetzt betroffen. Diese Länder haben ausserdem am wenigsten Möglichkeiten und Mittel sich an den Klimawandel anzupassen.

Aus einer Vielzahl von sehr detaillierten und fundierten Studien u.a. vom Währungsfonds, von der Weltbank, von Entwicklungshilfeorganisationen und der Wissenschaft, die das Problem im Detail analysieren, greifen wir den Bericht   In Search of Shelter Mapping the Effects of Climate Change on Human Migration and Displacement heraus, der u.a. von der United Nations University, dem Uno Flüchtlingshilfswerk UNHCR und CARE  herausgegeben wurde. Vom Klimawandel bedrohte Krisengebiete werden genauer untersucht: die von Gletscherwasser abhängigen Landwirtschaftsgebiete in Asien, Trockenzonen in Mexiko und Zentral Amerika, die durch Wüstenausweitung bedrohte Sahel-Zone, das Ganges-, Mekong- und Nil-Delta, Tuvalu und die Maldiven, die vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht werden. Für jedes Gebiet wird eine Analyse der Bedrohung und die Auswirkung auf die dort lebende Bevölkerung durchgeführt.

Beispielhaft ist das uns am nächsten liegende bedrohte Gebiet: das Nildelta. Dort leben mehr als 40 Mio Menschen (Zahl aus dem Jahr 2000), davon 20 Mio in Gebieten, die bei einem Anstieg des Meeresspiegels um 2 m überschwemmt würden. Die fruchtbaren Böden lieferten bisher  ausreichend Nahrung.  Wüstenausweitung und Meeressspiegelanstieg bedrohen jetzt dieses Gebiet sozusagen von zwei Seiten auf existentielle Weise.

Nildelta

Satellitenbild vom Nildelta (ESA)

a-farmer-ploughs-his-rice-001

Bauer im Nil Delta. Photograph: Jason Larkin (aus dem Guardian Artikel)

In einem Artikel im  The Guardian wird näher auf die aktuelle Situation eingegangen. Der Titel lautet:

We are going underwater. The sea will conquer our lands

Und weiter wird die Situation wie folgt beschrieben: “Das Nildelta ist bedroht. Ohne die Ernte, die dort produziert wird, steuert Ägypten auf eine Katastrophe zu. Die Dimension der Krise – mehr Bevölkerung, weniger Land, weniger Lebensmittel – ist überwältigend und hat die Klimadiskussion mit einer Kombination aus Zynismus und Fatalismus vergiftet.”

Ein interviewter Bauer sagt folgendes: “Ich hätte allen Grund wegzuziehen, Wassermangel, Bodenverschlechterung… sinkende Ernteerträge. Ich kann aber mein Land nicht verlassen, ich habe es von meinem Vater geerbt, ich habe eine grosse Familie und meine Freunde hier. Ich habe diesen Ort nie verlassen, ich war nie in Kairo, wie sollte ich hier weggehen und irgendwoanders hinziehen? Wir müssen unseren Verbrauch einschränken und  hoffen dass es besser wird.”

Eine gute Zusammenfassung der Studie “In Search of Shelter Mapping the Effects of Climate Change on Human Migration and Displacement”  findet sich auf dem Blog CO2 Handel.de:

Wenn jetzt keine konsequenten Maßnahmen zum Stopp der globalen Erwärmung ergriffen werden, so könnten die Auswirkungen auf Migration und Vertreibung alle negativen Erwartungen übertreffen. Der Klimawandel trägt bereits jetzt zu Vertreibung und Abwanderung bei.

Die genaue Zahl der Menschen, die auf der Flucht sein werden, ist ungewiss. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) schätzt, dass es bis zum Jahr 2050 etwa 200 Millionen Vertriebene aufgrund des Klimawandels geben wird. “Der Klimawandel hat heutzutage einen immer größeren Einfluss auf die Entscheidung der Menschen, ihre Heimat zu verlassen”, sagt Charles Ehrhart, Klimakoordinator von CARE und einer der Autoren der Studie. “Die möglichen Auswirkungen eines steigenden Meeresspiegels sind alarmierend. Im dicht besiedelten Flussgebiet des Mekongs in Vietnam würde ein Anstieg von zwei Metern die Häuser von 14,2 Millionen Menschen und die Hälfte des Ackerlandes überschwemmen”, so Ehrhart.

Nach David McKay liegen die CO2 Emissionen in Äpypten bei ungefähr 2,5 t pro Person und Jahrbei uns sind es etwa 18 t pro Person und Jahr (siehe unseren früheren Beitrag dazu)  – ziemlich klar, was in Kopenhagen entschieden werden sollte.

Autor: Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 2 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Dyrn  |  17.November 2009 at 10:02

    Möglicherweise von Interesse:

    Letztes Wochenende fand in Tutzing (Bayern) eine dreitägige Tagung zum Thema „Der Klimawandel – Zwang zur Energiewende“ statt. Teilnehmer u.a.: Der frühere Finanzminister Hans Eichel und der EU Kommissar für Energie, Andris Piebalgs.

    Tagungsbericht ist hier online: http://www.ttn-institut.de/klimawandel-energiewende

  • 2. Fendel  |  09.März 2010 at 11:54

    wozu

Ihr Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld, anonym

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren