Null-Energie-Haus: Studenten aus Darmstadt gewinnen renommierten Wettbewerb in USA

20.Oktober 2009

Einen beträchtlichen Teil unseres Energiebedarfs verbrauchen wir für Heizung, Kühlung, den Betrieb der diversen Haushaltsgeräte und sonstigen Einrichtungen in den Wohnungen  in Form von fossilen Energien oder von Strom (nach McKay sind es ungefähr 46 kWh/Person und Tag von insgesamt 195 kWh/pd, siehe früherer Beitrag). Pioniere haben schon vor 20 Jahren gezeigt, dass man gegenüber dieser traditionellen Bau- und Betriebsweise grosse Einsparungen realisieren kann. z.B. hat in der Schweiz die Firma Jenni schon 1989 ein Null-Energie-Haus in Burgdorf realisiert. Dieses “Sonnenhaus” sorgte für grosses Aufsehen im In- und Ausland. Inzwischen gibt es viele weitere solcher Null-Energie-Häuser in verschiedenen Ländern, eine Übersicht ist z.B. in  Wikipedia zu finden. Die Entwicklung erinnert an die Pionierzeit der Automobile. Sie sahen merkwürdig aus, am Anfang noch wie Pferdekutschen ohne Pferd, im weiteren Verlauf wurden ganz verschiedene Konstruktionen von einer Vielzahl von Pionierunternehmen entwickelt, bis sich langsam ein “dominantes Konstruktionsprinzip” durchsetzte und die Industrie sich in wenigen grossen Firmen konsolidierte. Die Konstruktion zukünftiger klimagerechter Häuser ist in der Phase, in der jetzt auf breiter Basis von vielen Pionieren experimentiert wird, so langsam zeichnen sich Entwürfe ab, die sich nicht mehr am klassischen Hausbau orientieren – wie damals die Pferdekutsche – sondern funktional auf die neuen Anforderungen eingehen.

In den USA hat das Department of Energy (DoE), das seit Obamas Amtsantritt unter der neuen Leitung von Nobelpreisträger Steven Chu einen Wettbewerb unter Universitäts- und College-Studenten ausgeschrieben für das beste Energiesparhaus.  20 Teams von Universitäten nahmen an dem Wettbewerb teil. Jedes der Projekte wird mit einem Video präsentiert. Der Wettbewerb wurde soeben entschieden, das Gewinnerteam sind Studenten der Technischen Universität Darmstadt.

SolarDecathlonGermany121

Bewertungkriterien umfassten neben der Energiebilanz unter anderem die Architektur, die Vermarktbarkeit,  die Gestaltung der Komfortzonen, der Küche, Heisswasser, Beleuchtung und Heimelektronik. Die Häuser mussten zu der Nati0nal Mall in Washington transportiert und dort aufgestellt werden.

Das Siegerhaus – siehe Abbildung – besticht in praktisch allen Kategorien. Das Haus deckt nicht nur den eigenen Energiebedarf vollständig, es produziert Überschussenergie mit der es zwei weitere Häuser versorgen könnte. Das wird erreicht durch eine vollständige Bedeckung mit Solarzellen, die auch bei diffusem Licht Strom produzieren. Die elektrische Installation und die Automatisierung wurde in Zusammenarbeit mit ABB und deren Haustechnikabteilung entwickelt. Neue Ideen hatte das Team auch bei der Einteilung des Gebäudes im Innern – auf die traditionellen Wände und Zimmereinteilungen wurde ganz verzichtet. Weitere ausführliche Informationen finden sich auf der entsprechenden Website der Technischen Universität Darmstadt.

Die Begeisterung des jungen Teams, das mit diesem Haus den ersten Preis dieses spektakulären Wettbewerbs gewonnen hat, gibt einem Vertrauen, dass die Herausforderungen des Klimawandels gemeistert werden können, auch wenn dazu grosse Änderungen unserer Traditionen nötig sind und wir nicht so viel Zeit haben wie seinerzeit beim Ersatz des Pferdewagens durch das Automobil.

Autor: Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 1 Kommentar Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Andreas Schnyder  |  19.November 2009 at 18:23

    Schönes Teil, nur nicht sehr effizient und wohl sehr teuer. Was sollen Solarzellen auf der Nordseite?

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