Wetterextreme und Klimawandel – wann werden die Lehren gezogen?

30.September 2010

Zur Zeit herrscht in Los Angeles mit 45 Grad eine Rekordhitze, nach einem Sommer mit einer Häufung von Wetterextremen: Hitzewelle in Russland, Überschwemmungskatastrophe in Pakistan, ebenso in Indien und China…..im Moment gerade wieder in North Carolina und in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Das folgende Bild ist von dort .

Bild: Zwintschoena in Sachsen-Anhalt September 2010

Das nächste Bild zeigt die beeindruckende Liste neuer Rekordwerte (in Grad Fahrenheit. Umrechung in Grad Celsius: (TFahrenheit -32)x 5/9) in verschiedenen Teilen der Welt.

Zur Erinnerung: im letzten IPCC Bericht von 2007 wurde genau das als eine der Folgen des Klimawandels vorhergesagt, siehe folgendes Bild aus dem Bericht.

Trotz der für jedermann sichtbaren katastrophalen Folgen dieser Entwicklung, auch Kostenfolgen, auf die die Versicherungen ungewöhnlich deutlich hinweisen, wird dieser Entwicklung in der öffentlichen Meinung erstaunlich wenig Aufmerksamkeit zuteil. Hat es das nicht schon immer gegeben, der Beweis, dass es der Klimawandel sei, kann nicht erbracht werden, der Klimawandel könnte auch natürliche Ursachen haben – mit diesen und ähnlichen Beruhigungspillen weicht man der weiteren Diskussion aus. Dass Warnungen nicht immer ernst genommen werden, kommt wohl immer wieder vor. Dass Warnungen, die durch die faktische Entwicklung untermauert werden, immer noch nicht ernst genommen werden, ist unglaublich.

Das heisst natürlich nicht, dass die Klimaforschung nicht grosse Anstrengungen unternehmen sollte, die Ursachen und Mechanismen der Wetterextreme genauer zu verstehen. Diese Anstrengungen finden natürlich statt. Ein Beispiel ist der ausführliche Bericht Weather and Climate Extremes in a Changing Climate. In dem Bericht werden nicht nur eine Fülle weiterer Daten über Wetterextreme zusammengestellt, jedem Typ von Wetterextrem (Niederschläge, Hitze, Trockenheit) wird ein Kapitel “attribution” gewidmet, in dem aus den spezifischen Merkmalen (z.B. räumliche Verteilung, Korrelation mit spezifischen Merkmalen wie erhöhte Nachttemperatur) auf den Zusammenhang mit der durch die CO2 Erhöhung verursachten Klimaerwärmung geschlossen wird. Auch der Vergleich mit Ergebnissen der Klimamodelle sind für diese Zuordnung sehr hilfreich. Das folgende Bild zeigt einen solchen Vergleich für schwere Niederschläge. Die Kurven zeigen Modellergebnisse für verschiedene Emissionsszenarien im Vergleich mit den Messwerten (violette Kurve).

Der Anstieg entspricht also innerhalb der Genauigkeit von Messung und Rechnung den als Folge der CO2 Erhöhung zu erwartenden Werten. Das Bild zeigt vor allem aber auch, dass wir mit dieser Entwicklung erst ganz am Anfang sind und der weitere Anstieg – sofern nicht massiv gegengesteuert wird – ein Vielfaches des bisherigen betragen wird.

Renommierte Klimaforscher wie James Hansen oder Stefan Rahmstorf weisen darauf seit Jahren hin. Besonders eindrücklich ist der Kommentar von Stefan Rahmstorf dazu in KlimaLounge. Er beginnt seinen Kommentar mit dem Zitat eines Essays, den er vor 8 Jahren verfasste, um auf die Gefahren des Klimawandels hinzuweisen. Das Szenario, das er dazu beschreibt, erinnert in verblüffendem Detail an die Hitze- und Brandwelle in Russland in diesem Sommer – seine Vision war auf das Jahr 2050 datiert.

In einem weiteren Beitrag im KlimaLounge und auch in Welt online nimmt Rahmstorf Stellung zu der Frage, dass zwar einzelne Ereignisse kaum eindeutig beweisbar auf den Klimawandel zurückgeführt werden können, aber das Gegenteil eben auch nicht. Sehr wohl Aussagekraft liefert jedoch die Statistik der Extremereignisse.

Weitere Aussagen dazu von anderen kompetenten Wissenschaftern finden sich auch in dem folgenden Beitrag der New York Times NYT In weather chaos a case for climate change.

Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research, einer der erfahrensten Klimaforscher fasst die Situation so zusammen ( the link between global warming and extreme deluges ):

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Wetterextremen wird systematisch heruntergespielt, oft auch durch meine Wissenschaftskollegen. “Man kann ein einzelnes Wetterereignis nicht dem Klimawandel zuordnen” eröffnen sie oft ihre Kommentare. Es gibt jedoch einen systematischen Einfluss auf alle diese Wetterereignisse heutzutage infolge der Tatsache, dass zusätzliches Wasser in der Atmosphäre herumhängt verglichen mit vor 30 Jahren. Es sind etwa 4% zusätzlich, was Stürme verstärkt usw.

Es ist sehr unglücklich, dass die Öffentlichkeit diese Ereignisse nicht als Manifestation des Klimawandels erkennt. Und in Zukunft ist damit zu rechnen, dass die Wetterextreme an Intensität noch zunehmen werden.

Blickt man zurück, dann kann man feststellen, dass bisher Einschätzungen von einzelnen erfahrenen Forschern (speziell von den genannten) die Entwicklungen präziser beschrieben haben als die IPCC Szenarien, die sehr sorgfältig nur die mehrfach abgesicherten und breit abgestützten Erkenntnisse kommunizieren.

Autor: Klaus Ragaller

Artikel gespeichert unter: Klima

bisher 3 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. chesnay  |  01.Oktober 2010 at 12:01

    Was soll man jetzt glauben? Wird das Klime wärmer oder doch kälter.
    Überall wird was anderes behauptet!

  • 2. Klaus Ragaller  |  01.Oktober 2010 at 12:36

    Antwort an chesnay:
    Messungen zur Temperatur finden Sie hier: http://data.giss.nasa.gov/gistemp/
    Der Mittelwert über 12 Monate ist jetzt so hoch wie nie zuvor. Die steigende Temperatur ist der Grund für die erwähnte Zunahme von Wasserdampf in der Atmosphäre.

  • 3. Klimablog » Adaptio&hellip  |  29.November 2010 at 09:01

    [...] Anzahl und Intensität erhöht sind. Dazu gibt es verschiedene Untersuchungen, z.B. unseren früheren Blogbeitrag oder ganz aktuell eine Einschätzung der World Meteorogical Organization WMO: [...]

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